(15.09.2026, 16:15)Thomas74 schrieb: Kellerkind schrieb:Mit Gerd hatte ich einfach nicht auf dem Zeiger, genauso wenig wie bei meinem damals besten Hifi- Freund Achim, der so megamäßig topfit war und den ich jahrzehntelang beneidete ob seiner körperlichen Konstitution, Kraft und Ausdauer - der dann einfach mit 56 Jahren tot umfiel - auch wegen dem Herzen.
Ich muß zugeben daß ich seit dem 22.07. zweimal in der Herzklinik in München war.
Bei einer Vorsorgeuntersuchung beim Kardiologen wurde im Herz CT festgestellt daß meine Herzkranzgefäße fast zu waren.
Ich hatte keine Beschwerden !
Wenn sie das nicht entdeckt hätten wäre ich innerhalb eines Jahres tot gewesen.
In der Herzklinik waren von 10 Patienten ungefähr 8 Männer im besten Alter zwischen 48 und 65 Jahre alt, viele sportlich und schlank.
Man kann noch so gesund leben, man weiß erst definitiv Bescheid ob alles in Ordnung ist wenn man sich untersuchen läßt.
Mein Tipp : Männer passt auf Eure Herzen auf - wir haben nur eins !
Geht zur Vorsorge zum Facharzt !!
Morjen Thomas,
ich bin früher immer hin zu den Ärzten, und das ritt mich immer erst richtig rein. Hab auch Gerd die ganzen Stories erzählt und daß ich an seiner Stelle weniger zuversichtlich wäre, da ich Tage zuvor selbst eine OP gemacht bekam, die ich nicht wollte, die im Nachhinein (zweite Meinung eingeholt und gescheite Untersuchung) nicht nötig war und Fehldiagnose und die vor allen ohne mein Einverständnis gemacht wurde, da ich mich nur sedieren ließ, um eine Unebenheit am Zahnfleisch wegzumachen -und der Eingriff eskalierte - bevor ich mich wehren oder nachdenken konnte.
Aber zum Herzen, ich hatte als Lausbub enorme Herzprobleme, war ja so rund wie ein Fußball - mit 10 schon um 100 Kilo.
Immer wieder schweres Herzstechen mit Schweißausbrüchen, Ohnmacht, Schmerzen im Arm und irrsinnige Kreislaufprobleme.
Reaktion der Ärzte:
1) Sportverbot und weitestgehend Bewegungsverbot
(würde man heute umgekehrt machen)
2) jede Menge Kreislaufpillen und Tropfen
Diagnose: Zu fett zum leben, nicht behebbar, da die ganze Familie fett ist- alles vererbt.
zu deutsch: Adipositas
Ich kam dann wegen Mandeln und Polypen ins Krankenhaus, muß ich wohl höchstens 10 gewesen sein -
mein Vater redete mit der Narkoseärztin -
daß ich so massive Herzprobleme habe - die lachte sich kaputt und meinte, nie und nimmer und mit ihrer Narkos kann gar nix passieren.
Ende vom Lied:
Herzstillstand in der Narkose - Wiederbelebung fehlgeschlagen - nach 2,5 MInuten für tot erklärt und meine Eltern infomiert.
Während mein Vater ins Krankenhaus raste nach dem Anruf wurde ich abtransportiert zur Lagerung.
Eine Freundin meiner Mutter war Krankenschwester und sah mich mit dem Personal vorm Aufzug-
die drehte ab, als sie erfuhr, daß ich tot sei.
In ihrer Verzweiflung versuchte sich mich im Fahrstuhl gewaltsam zu reanimieren -
was dann funktionierte -
ich soll fürchterlich ausgetreten haben, als ich zu mir kam und ihr die Rippen gebrochen.
Ich selber fand mich gar nicht mehr zurecht hier auf der Erde, da ich gefühlt Monate ganz woanders lebte.
Hatte dann ein Trauma.
Danach ging es zu Herzspezialisten - die meinten alle, ich sei zu fett und Belastungs EKG ging in die Hose, weil ich ohnmächtig vom Rad fiel-
das würde sich alles verwachsen und sei normal, wenn man als Kind so irre fett ist, ich soll mich halt schonen, woraufhin ich jahrelang nicht am Sportunterricht teilnehmen durfte und auch meinen Fußball verboten bekam.
Kurzum Thomas, bei mir war es umgekehrt - massive Probleme und Beschwerden - ich konnte nichtmal die 18 Stufen im Haus zu meinem Zimmer hochlaufen ohne Pause.
Und die Ärzte meinten es sei alles gut - mindestens ein halbes Dutzend!
Im Laufe des Lebens bekam ich viele Herzanfälle und klaptte um, wurde wie vom Baum gefällt und landete auch auf den Notaufnahmen - immer mit dem Ergebnis -
am Herz liegt es eher nicht- bis dann mal jemand auf die Idee kam, daß mein Ruhepuls mit um 40 viel zu niedrig sei.
Man riet mir dann nach rund 40 Jahren Beschwerden an einen Schrittmacher zu denken !
Ich lasse da nix machen, arbeite einfach mit Sport dagegen an und sehe zu, daß der Blutdruck nicht unter 90/60 geht - bis dahin arbeite ich im grünen Bereich und den Ruhepuls hab ich dank 2 Liter Kaffee und 1 Liter Cola am Tag auf um 50 gebracht.
Letzte Herzuntersuchung war im Dezember - der Arzt meinte, ich habe das Herz eines Spitzensportlers.
Belastungs EKG mache ich heute mit links - weil ich eh jeden Tag auf dem Trainingsbock sitze und das Gegenteil von dem mache, was die Ärzte früher rieten .- nämlich jeden Tag mindestens 4 Stunden Bewegung - immer und ohne Ausnahme. Gewicht ging durch die Bewegung von selber runter im Laufe der Zeit um 60 Kilo - nix von wegen vererbt und muß man mit leben.
Ich bin froh, daß ich nicht an mir rumschnippeln ließ und auf einen Betreiber eines Fitneßstudios hörte, der mehrere Dr. Titel in Medizin, Osteopathie usw. hat, und jahrelang prominente Spitzensportler und Fußballvereine betreute.
Kurzum, mein Zutrauen in Ärze ist gewaltig gesunken.
Was Gerd anbelangt, ich kenne die Vorgeschichte - der war beim Cardiologen zur Untersuchung (hatte ja schon jahrelang Maleur und Operationen am Herzen) zum Routinecheck und ihm ging es gar nicht gut, dennoch bekam er Entwarnung, alles sei soweit ok - und brach dann schon aufm Weg raus im Parkhaus zusammen und wurde ins Krankenhaus gebracht und mußte 4 Mal reanimiert werden.
Ist doch alles prima gewesen, wieso fällt er dann um?
Das fragte er sich auch.
Danach ging eine Odyssee los bei ihm - wäre zu viel zum schreiben, er steckte das alles mit jeder Menge Humor weg - unfaßbar starker und positiver Mensch, seine Mails aus dem Krankenhaus mit neuen "Katastrophen" hauten mich um. Ich hätte da schon kapituliert und vor Verzweiflung geheult.
Gerd war stark wie ein Saurier.
So klein und unscheinbar er wirkte - mental war es ein Gigant - sonst wäre er schon mindestens 5 Jahre vorher weg gewesen.
Gerd war einer der Menschen, dem konnte noch so viel Mist um die Ohren fliegen - er dachte positiv und ließ sich von rein gar nichts herunterziehen.
Ich erlebte, wie er schlimme Schicksalsschläge wegstecken mußte - nicht nur mit der Gesundheit -
auch mit Toden in der Familie(jüngerer Bruder) und letztlich seine geliebten Katzen.
Und so war er auch in Foren - auf all die Schubladenschiebereien ließ er sich nie ein, auch nicht auf Streit und Zankerei - er blieb einfach immer superfreundlich bei den Fakten -
oder ergänzte mit Meßdaten was andere meinten zu wissen.
Ich glaube zu niederen/negativen Gefühlen wie Hass und Wut war der Gerd gar nicht fähig.
Ich weiß noch, wie ruhig und besonnen er bei mir im Hause blieb, als er beinahe einen Rainer Goldi amp gebraten hat, weil was falsch angeschlossen war an den Meßgeräten -
während ich nebendran fast nen Herzkasper kriegte. Den Gerd hat man nicht aus der Ruhe und seiner Mitte gekriegt - unerschütterlich.
Daher war ich eigentlich überzeugt, egal was die Ärzte diesmal mit ihm machen, er steckt auch das weg und witzelt hinterher drüber.
Etwas Sorgen machte ich mir erst, als er vor einiger Zeit im Analogforum in einem Thread über Makroaudio irgendwie was völlig durcheinanderbrachte, und er etwas ungehalten war, als ich ihn dort fragte, ob er gerade ne Matschbirne hat und es ihm schlecht geht, weil das kenne ich von mir selbst gut, mir ist dann so schlecht, daß ich einfachste Dinge nicht mehr verstehe oder umsetzen kann. Ich wußte ja, daß man ihm heftigste Medikamente gab, die er nicht gut vertrug.
Das war in all den Jahren das erste Mal, daß ich erlebte, daß ihm der Kragen wegen meinem Verdacht der Matschbirne beinahe platzte. War aber hinterher gleich wieder gut.
Gerd legte allergrößten Wert auf klares Denken und neutrales Denken, das war für ihn ein Lebensmittelpunkt- analysieren und lösen - nicht totlabern.
Er war da sicher in seiner Zeit als Lehrer geprägt - er muß dermaßen saugut gewesen sein, daß ihm die Schüler von früher heute noch hinterherliefen und Kontakt suchten und ihn in öffentlichen Gruppen ehrten über die Jahre.
Für mich war Gerd auch so was wie ein Anker und nicht selten, wenn ich mich über was irre aufregte, saß er bei mir am Kaffeetisch und holte mich komplett wieder runter mit seinen sachlichen Argumenten wie etwa - ich muß mich doch gar nicht aufregen, soll einfach nur ehrlich bleiben und die Leute merken das und folgen mir, und soll Störenfireden keine Energie schenken oder mich zanken - ich soll einfach mein Ding durchziehen und die Leute würden mich lieben.
Ja, Gerd war viel mit schuld daran, daß ich meine Umgangsweise im Netz noch mehr aufs Wesentliche konzentrierte und auf Haßtiraden nicht mehr einging.
Gerd war der Mann fürs "Wesentliche".
Er hatte eine bewundernswerte interne Filterung Sachzusammenhänge zu finden, wo andere nur noch im Chaos stocherten.
Und wenn man vom Thema KI mal absieht - muß ich sagen - der Gerd hatte nie zu etwas ein Vorurteil.
Und selbst bei KI gab er irgendwann zu, daß es wohl doch nicht so einseitig sei, wie er mal dachte.
Meine ganzen anderen Freunde sehen nur das Negative darin - und ignorieren das Positive.
Ich selber hab gemischte Gefühle und nutze das, was mir hilft, und anderes meide ich.
Wie auch immer, Gerd ist einer der großartigsten und obendrein ein einzigartiger Mensch gewesen -
wo ich jemals kennenlernte und ich bin richtig stolz und froh, daß ich ihn kennenlernen durfte.
Auch wenn wir beide unser Hobby völlig konträr auslebten -
waren wir wie Pech und Schwefel und hatten zusammen einen Heidenspaß.
Daß er nun für immer weg ist aus dieser Welt - hab ich immer noch nicht wirklich realisiert.
Daß er große Lücken hinterläßt merke ich aber auch an Telefonaten mit anderen seiner Freunde.
Gerd ist einer, da fehlt einem was von einem selbst, das ist wie wenn ein Stück von einem selbst mitstirbt.
Und das geht nicht nur mir so.
Seinen Tod verkraftet man nicht, den muß man verarbeiten und sich neu ordnen.
In der Hifi Welt war Gerd der "Yoda" und ein echter Jedi-Meister!