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Ein harmloser Lautsprecherkabelwechsel, zwei glühend heiße Monoblöcke und eine mensch
#15
Hallo zusammen,

ich möchte mich noch einmal zurückmelden, denn die ganze Geschichte mit den Lautsprecherkabeln hat inzwischen eine Entwicklung genommen, mit der ich beim besten Willen nicht gerechnet hätte.

Nach dem ausgesprochen unerfreulichen Erlebnis mit den geliehenen Kabeln und meinen beiden glühend heißen Monoblöcken hatte ich erst einmal die Nase voll von diesem ganzen Kabel-Hokuspokus.

Also habe ich mir ein klassisches englisches Lautsprecherkabel bestellt, das Linn K400. Ein Kabel, das ich übrigens bereits 1986 besessen habe. Damals war es mein erstes richtiges High-End-Lautsprecherkabel. Der Aufbau ist demjenigen der Lautsprecherkabel sehr ähnlich, die der Hersteller meiner Endstufen selbst angeboten hat beziehungsweise möglichebrifesrweise noch anbietet.

Ich habe das K400 für Single-Wiring konfektioniert, also jeweils zwei der vier Leiter zusammengefasst.

Bis dahin hatte ich meine Epos ES14N mit dem Sommer Quadra Blue betrieben.

Und jetzt kommt etwas, das ich selbst kaum glauben kann.

Die klangliche Veränderung ist für mich geradezu sensationell.

Ich bin nun wirklich alles andere als ein Kabelfetischist. Im Gegenteil. Mit einer solchen Wirkung eines Lautsprecherkabels hätte ich niemals gerechnet.

Die Epos spielt jetzt in einer Weise, die ich vorher von ihr nicht kannte.

Die Instrumente haben plötzlich Körper. Sie klingen nicht mehr künstlich, sondern glaubwürdig, natürlich, echt. Die Klangfarben stimmen, die Dynamik ist hervorragend, und gleichzeitig hat die gesamte Wiedergabe eine Ruhe und Selbstverständlichkeit bekommen, die ich vorher schmerzlich vermisst habe.

Die Verdichtungen bei größeren Orchesterbesetzungen sind verschwunden. Diese gewisse Nervosität und Unruhe, die mich bei der Epos insbesondere bei klassischer Musik immer wieder gestört haben, sind wie weggewischt.

Und dabei ist keineswegs Auflösung verloren gegangen. Ganz im Gegenteil!

Ich habe das Gefühl, dass das K400 in praktisch allen Disziplinen besser auflöst als das bisherige Sommer Quadra Blue. Die einzelnen Klangereignisse werden deutlicher, die Instrumente lassen sich müheloser verfolgen, und das gesamte musikalische Geschehen wirkt wesentlich lebendiger.

Gestern Abend habe ich Frank Zappas The Yellow Shark mit dem Ensemble Modern gehört. Eine hervorragende Aufnahme, die den Lautsprechern einiges abverlangt.

Was da plötzlich an Räumlichkeit, Dynamik und Durchhörbarkeit geboten wurde, war einfach traumhaft. Die Paukenanschläge rollten regelrecht wie Wellen durch meinen Hörraum. Und selbst in den komplexesten Passagen blieben die einzelnen Instrumente wunderbar nachvollziehbar.


   

Heute Morgen dann Telemann, unter anderem mit dem Amsterdam Loeki Stardust Quartet.

Die unterschiedlichen Blockflöten, ihre jeweiligen Klangfarben, das zarte Spinett im Hintergrund – alles ist deutlich wahrnehmbar, ohne sich gegenseitig zu überdecken. Auch die Qualität der Aufnahme selbst wird plötzlich viel offensichtlicher. Man hört, dass hier ein Toningenieur ausgesprochen saubere Arbeit geleistet hat.


   

Und anschließend habe ich eine weitere Aufnahme des Amsterdam Loeki Stardust Quartet gehört: La Spagna – Music at the Spanish Court, unter anderem mit „Danza alta“ von Francisco de la Torre.

Und da fiel mir etwas auf, das ich besonders bemerkenswert finde.

Plötzlich war wieder eine ganz andere Räumlichkeit wahrzunehmen!

Andere Hallanteile, eine andere akustische Atmosphäre, ein völlig anderer Eindruck vom Raum, in dem sich das musikalische Geschehen abspielt.

Ich weiß nicht, ob die Aufnahmen tatsächlich an unterschiedlichen Orten entstanden sind oder ob die Unterschiede auf die jeweilige Aufnahmetechnik zurückzuführen sind. Aber eines ist für mich vollkommen eindeutig: Diese unterschiedlichen räumlichen Verhältnisse sind jetzt wunderbar herauszuhören.

Und zwar nicht als irgendein spektakulärer Raumeffekt, sondern ganz selbstverständlich als Bestandteil der jeweiligen Aufnahme.


   

Und damit komme ich zu einem weiteren, für mich ganz entscheidenden Punkt.

Die räumliche Wiedergabe ist jetzt wesentlich glaubwürdiger.

Mit meinen großen Lautsprecher hatte ich häufig das Gefühl, ziemlich weit hinten im musikalischen Geschehen zu sitzen. Diese Hörner  erzeugen einen großen, körperhaften, entspannten Klang, aber manchmal auch einen Hauch mehr Raumanteil, als mir eigentlich richtig erscheint. Eine gewisse zusätzliche Halligkeit, die zwar angenehm sein kann, die ich aber nicht unbedingt der Aufnahme selbst zuschreiben würde.

Mit der Epos sitze ich dagegen praktisch in der ersten Reihe, ganz nah an den Musikern.

Und trotzdem wird nichts aufdringlich oder nervös. Der Aufnahmeraum erscheint mir authentischer. Die Instrumente stehen plastisch und glaubwürdig im Raum, und ich habe viel stärker das Gefühl, tatsächlich bei der musikalischen Darbietung anwesend zu sein.

Besonders faszinierend finde ich dabei, dass die Epos offenbar nicht jeder Aufnahme denselben räumlichen Charakter mitgibt. Vielmehr kann ich jetzt viel deutlicher unterscheiden, wie unterschiedlich die einzelnen Aufnahmen selbst gestaltet sind.

Einmal ein eher intimes, unmittelbares musikalisches Geschehen, dann wieder ein größerer Raum mit deutlich anderen Hallanteilen.

Man hört nicht einfach nur die Instrumente, sondern auch die akustische Umgebung, in der sie aufgenommen wurden beziehungsweise die der Toningenieur auf der Aufnahme festgehalten hat.

Und genau das macht für mich einen erheblichen Teil der Glaubwürdigkeit aus.

Die Musik bekommt endlich die Glaubwürdigkeit, die sie verdient und die sie von sich aus besitzt.

Und jetzt muss man sich einmal vor Augen führen, was das für meine bisherige Lautsprechersuche bedeutet.

Ich war mit der Epos ES14N insbesondere bei klassischen Aufnahmen so unzufrieden, dass ich mich ernsthaft nach anderen Lautsprechern umgesehen und mir schließlich sogar die Thivan Eros 9 Ultra wieder ins Haus geholt habe.

Die Hornlautsprecher hatten für mich lange Zeit genau jene Natürlichkeit, Körperhaftigkeit und musikalische Selbstverständlichkeit, die ich bei der Epos vermisst habe.

Und jetzt?

Jetzt gefällt mir die Epos mit dem Linn K400 sogar besser als die großen Hörner.

Ich hätte das vor wenigen Tagen selbst nicht für möglich gehalten.

Die Hörner  habe ich inzwischen sogar aus dem Hörzimmer herausgerollt, weil mir das Musikhören mit der Epos momentan dermaßen viel Freude macht.

Das vielleicht deutlichste Zeichen dafür ist aber etwas ganz anderes.

Ich merke, dass ich meinen Hunger vernachlässige, andere Beschäftigungen aufschiebe und eigentlich nur noch weiter und weiter Musik hören möchte.

Ich sitze vor der Anlage, höre eine Aufnahme nach der anderen und möchte einfach nicht aufhören.

Nicht weil ich irgendwelche spektakulären HiFi-Effekte suche, sondern weil mich die Musik selbst wieder vollkommen in ihren Bann zieht.

Und genau darum geht es mir seit Jahrzehnten.

Natürlich kann ich nicht erklären, weshalb ausgerechnet dieses alte Linn-Kabel in meiner Kombination mit den Epos und meinen Monoblöcken eine derart deutliche Veränderung bewirkt. Ob hier elektrische Eigenschaften der Kabel und deren Zusammenspiel mit den Endstufen eine Rolle spielen, müsste man messtechnisch untersuchen.

Ich kann lediglich beschreiben, was ich höre und wie ich es empfinde.

Aber dass ich wegen meiner Unzufriedenheit mit der Epos sogar andere Lautsprecher angeschafft habe und nun durch einen simplen Kabelwechsel plötzlich genau jene Wiedergabe bekomme, nach der ich die ganze Zeit gesucht habe, ist für mich schon fast sensationell.

Und wenn man jetzt noch bedenkt, dass dieses Linn K400 seit Jahren überhaupt nicht mehr produziert wird und ich es praktisch für einen Apfel und ein Ei bekommen habe, dann ist die ganze Geschichte für mich schon fast nicht mehr zu glauben.

Da beschäftigt man sich mit Lautsprechern für mehrere Tausend Euro, sucht nach immer besseren Lösungen, und am Ende ist es ausgerechnet ein jahrzehntealtes, für kleines Geld gekauftes Lautsprecherkabel, das die entscheidende Veränderung bringt.

Das K400 war 1986 mein erstes High-End-Lautsprecherkabel.

Vierzig Jahre später ist es wieder da.

Und ausgerechnet dieses alte Kabel hat mir die Freude an meinen Epos ES14N in einem Maße zurückgegeben, mit dem ich niemals gerechnet
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RE: Ein harmloser Lautsprecherkabelwechsel, zwei glühend heiße Monoblöcke und eine mensch - von Karl Napp - 06.11.2026, 13:08

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