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Ein harmloser Lautsprecherkabelwechsel, zwei glühend heiße Monoblöcke und eine mensch - Druckversion

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Ein harmloser Lautsprecherkabelwechsel, zwei glühend heiße Monoblöcke und eine mensch - Karl Napp - 29.10.2026

Ich möchte euch von einem Erlebnis berichten, das ich in über viele Jahre Beschäftigung mit hochwertiger Musikwiedergabe in dieser Form noch nie erlebt habe.

Vor einigen Tagen bekam ich von einem Bekannten ein Paar Lautsprecherkabel zum Ausprobieren. Nichts Besonderes eigentlich. Einfach mal aus Neugier ein anderes Kabel hören.

Am vergangenen Abend hörte ich zunächst mehrere Stunden vollkommen problemlos mit meinen neuen Lautsprechernund neuen Monoendstufen und meinen bewährten Sommer Quadra Blue Lautsprecherkabeln Musik.

Irgendwann packte mich die Neugier, und ich wechselte auf die geliehenen Kabel.

Kaum hatte ich mich wieder auf meinen Hörplatz gesetzt, ging das Theater los!

Aus meinen Lautsprechern kamen plötzlich fürchterliche Kratz-, Zisch-, Knall- und Kreischgeräusche. Gleichzeitig begannen die roten LEDs meiner Endstufen wie verrückt zu blinken.

Das reinste HiFi-Armageddon!

Ich bin sofort aufgesprungen, habe die Geräte vom Netz getrennt und die Lautsprecherkabel entfernt. Ich hatte wirklich das Gefühl, gleich fliegt mir die ganze Anlage um die Ohren.

Nach etwa zehn Minuten fasste ich vorsichtig die Gehäuse der beiden Monoblöcke an. Sie waren immer noch extrem heiß! Selbst nach einer halben Stunde waren sie noch deutlich wärmer als im normalen Betrieb.

Ich war überzeugt, dass meine schönen neuen Endstufen hinüber seien. Von meinen Lautsprechern ganz zu schweigen.

Entsprechend frustriert bin ich ins Bett gegangen.

Am nächsten Morgen habe ich zunächst die vollständig abgekühlten Endstufen ohne angeschlossene Lautsprecherkabel eingeschaltet. Keine blinkenden LEDs, keine ungewöhnliche Erwärmung.

Anschließend habe ich meine alten Sommer-Kabel wieder angeschlossen und vorsichtig Musik gehört.

Und siehe da: Alles funktionierte wieder einwandfrei!

Nach mehreren Stunden Betrieb waren die Gehäuse gerade einmal handwarm. Auch die Lautsprecher spielten wieder so fantastisch wie zuvor.

Was für eine Erleichterung!

Natürlich wollte ich jetzt wissen, was mit den geliehenen Kabeln los war.

Also habe ich mein Multimeter herausgeholt und die Kabel einer Durchgangsprüfung unterzogen.

Dabei stellte ich fest, dass die farbliche Zuordnung der Bananenstecker offenbar vertauscht war. Zwischen einem rot gekennzeichneten Stecker am einen Ende und einem schwarz gekennzeichneten Stecker am anderen Ende bestand Durchgang.

Ich habe diese Messungen mehrfach durchgeführt, fotografiert und schließlich auch auf Video festgehalten.

Daraufhin kontaktierte ich den Bekannten, von dem ich die Kabel bekommen hatte.

Zunächst erhielt ich folgende Erklärung, die ich hier wörtlich aus unserer WhatsApp-Korrespondenz wiedergebe:

„das Kabel ist vom Hersteller konfektioniert.
Ich habe nur die weichen Hülsen abgezogen und statt dessen Schrumpfschläuche darüber angebracht.
Nur Gummi das sich zusammenzieht.
An den Bananen habe ich nichts gemacht.“

Nachdem ich ihm meine Messungen per Video vorgeführt hatte, kam dann folgende Aussage:

„Bei den Abgängen habe ich zu früh das Plastik entfernt, und dann rot/schwarz genommen aus der Erinnerung.“

Da musste ich erst einmal schlucken.

Man entfernt also die ursprünglichen Kennzeichnungen eines Lautsprecherkabels und bringt anschließend Rot und Schwarz aus der Erinnerung wieder an?

Ohne vorher mit einem einfachen Durchgangsprüfer festzustellen, welcher Leiter wohin führt? Und verleiht das Kabel an Jemanden mit teuren Verstärkern? 

Das ist doch Murks!

Nun weiß ich natürlich, dass eine reine Verpolung eines Lautsprechers normalerweise keine Endstufe zum Überhitzen bringt. Ob hier zusätzlich ein Kontaktproblem, ein zeitweiliger Kurzschluss oder eine elektrische Unverträglichkeit zwischen Kabel und Verstärker vorlag, ist noch nicht geklärt.

Die vertauschte Farbkennzeichnung allein erklärt jedenfalls nicht das dramatische Verhalten meiner beiden Endstufen.

Aber dass die Kennzeichnung offenbar nicht sorgfältig überprüft wurde, ist schon bemerkenswert genug.

Und dann bekam ich noch folgende Antwort:

„bei mir lief das Kabel an diversen Endstufen, auch Röhren, ohne Probleme“

Na wunderbar!

Was soll ich denn damit anfangen?

Bei mir liefen die Endstufen mit meinen eigenen Kabeln vorher völlig problemlos. Wenige Sekunden nach dem Anschließen dieser anderen Kabel ging das Chaos los. Und nach dem Entfernen funktionierte wieder alles einwandfrei.

Aber worauf ich mit diesem Beitrag eigentlich hinauswill, ist etwas ganz anderes.

Fehler passieren. Jedem von uns. Auch mir.

Und selbst wenn jemand bei einer solchen Arbeit richtig Scheiße baut, wäre das für mich noch lange kein Grund, ihm deswegen dauerhaft böse zu sein.

Was mich allerdings menschlich wirklich enttäuscht, ist der Umgang damit.

Da erlebt jemand nach einem Kabelwechsel einen solchen Schreck, befürchtet einen Schaden an seiner mehrere Tausend Euro teuren Anlage, dokumentiert anschließend einen Fehler bei der Farbkennzeichnung, und als Reaktion kommen lediglich Erklärungen und Hinweise darauf, dass das Kabel anderswo funktioniert habe.

Nicht einmal ein einfaches:

„Mensch, das tut mir leid. Die Kennzeichnung hätte ich natürlich überprüfen müssen. Ich bin froh, dass deine Anlage offenbar nichts abbekommen hat.“

Mehr hätte ich überhaupt nicht erwartet!

Es geht mir nicht darum, jemanden öffentlich an den Pranger zu stellen. Deshalb werde ich auch keinen Namen nennen.

Aber derjenige, der gemeint ist, wird schon ganz genau wissen, an wen dieser Beitrag gerichtet ist.

Was ich aus dieser Geschichte mitnehme, ist jedenfalls, dass man selbst bei vermeintlich harmlosen Lautsprecherkabeln sehr genau hinschauen sollte, insbesondere wenn jemand nachträglich an der Konfektionierung oder Kennzeichnung gearbeitet hat.

Und noch etwas:

Technische Fehler kann man korrigieren. Eine falsche Farbkennzeichnung lässt sich in wenigen Minuten überprüfen und berichtigen.

Aber die menschliche Größe, einen Fehler einzugestehen und sich dafür zu entschuldigen, scheint manchen Menschen wesentlich schwerer zu fallen.

Dass Menschen manchmal richtig Scheiße bauen, finde ich nicht einmal besonders schlimm. Dass sie anschließend nicht einmal den Anstand besitzen, sich dafür zu entschuldigen, finde ich dagegen ausgesprochen traurig.

So, das musste ich einfach einmal loswerden.
Rolf


RE: Ein harmloser Lautsprecherkabelwechsel, zwei glühend heiße Monoblöcke und eine mensch - TF1 - 29.10.2026

hast du Bi-Wiring verkabelt und die Blechbrücken drinngelassen? Keine Ahnung


RE: Ein harmloser Lautsprecherkabelwechsel, zwei glühend heiße Monoblöcke und eine mensch - OnkelWerner - 29.10.2026

Hallo Rolf

Das hört sich total nach einen Kurzschluss an.
l.g. werner


RE: Ein harmloser Lautsprecherkabelwechsel, zwei glühend heiße Monoblöcke und eine mensch - tripath-test - 29.10.2026

(Gestern, 18:55)TF1 schrieb: hast du Bi-Wiring verkabelt und die Blechbrücken drinngelassen? Keine Ahnung

meiner Wenigkeit nach dürfte in diesem Fall nichts passieren wenn sonst an den Kabeln alles in Ordnung wäre.


RE: Ein harmloser Lautsprecherkabelwechsel, zwei glühend heiße Monoblöcke und eine mensch - tripath-test - 29.10.2026

(Gestern, 17:55)Karl Napp schrieb: Also habe ich mein Multimeter herausgeholt und die Kabel einer Durchgangsprüfung unterzogen.

Dabei stellte ich fest, dass die farbliche Zuordnung der Bananenstecker offenbar vertauscht war. Zwischen einem rot gekennzeichneten Stecker am einen Ende und einem schwarz gekennzeichneten Stecker am anderen Ende bestand Durchgang.

Gute Besserung würde ich mal nachträglich sagen. Aber wenn nur rot und schwarz vertauscht wäre, würde die Boxen nur gegenphasig arbeiten. Da dürfte nichts passieren. Könnte es nicht sein dass an einem Ende des Kabels sowohl schwarz als auch rot anliegt ?
Wenn dem so, dann liegt da ein Kurzschluss vor.