Morjen morjen,
gestern kam auf Amazon ENDLICH
"Burning Ambition" von Iron Maiden als Stream zum Kauf raus, ach was war ich happy und der Tag gerettet, eigentlich war Radtour angesagt, aber nein, ich sperrte mich mit dem Video 50 Jahre Iron Maiden Geschichte weg !
Der Schinken lief ja im Mai im Kino - leider in keinem, wo ich ohne Vollstreß erreiche und der Videostart war ungewiß und gestern taucht das Ding dann samt Bonusmaterial bei Amazon Prime zum Kauf auf, ich bin gesprungen wie ein junges Kalb auf der Wiese.
Seit März 82 bin ich absoluter Fan der Truppe, die ich 1984 auch einmal persönlich treffen durfte.
Wie auch immer, vieles war mir aus zahlreichen Büchern und youtube Videos und Bonusmaterial von CD s und DVD s schon bekannt -aber einiges war mir auch total neu.
Das Geilste war aber, daß die einen Haufen Schnappschüsse dokumentierten von früher - die es bisher nie und nirgens zu sehen gab - wie der Zustand der Band nach all den Jetlags in den 80ern- wo über 200 Konzerte im Jahr gegeben wurden.
Heftigst, wie die auf dem letzten Loch pfiffen und kurz vor dem Totalzusammenbruch standen, die Jungens meinten, die Konzerte und die Fans waren total geil, alles andere jedoch einfach nur schrecklich. Stehend K.O. ist eigentlich noch gelinde ausgedrückt - ein echter nackter Überlebenskampf.
Ich fragte mich damals immer, wie man so was übersteht, wenn ich 83 bis 88 die Tourpläne las. Und dachte, die müssen Superkräfte haben

Von wegen!
Auch wußte ich nicht, daß Steve Harris bei der Müllabfuhr arbeitete. Dafür werden von den anderen Bandmitgliedern die ehemaligen Berufe - die man in zahlreichen Dokus und Büchern lesen kann - gar nicht erwähnt.
Aber wo Licht ist, ist auch Schatten, erstens wurden die Erstbesetzungen von Maiden kaum erwähnt, zweitens kriegt man eigentlich gar nicht privates oder von den Menschen mit - das war außer in der Roadie Doku - das Buch Loopysworld - zwar immer spärlich behandelt, hier aber wurde es komplett ausgeklammert.
Das enttäuscht mich bei einem Kinofilm als Doku dann doch - weil das zeichnet solche Werke eigentlich aus, die Menschen hinter der Kunst zu beleuchten.
Zum Glück gibt es da andere Quellen - mein heißer Tipp das Buch Loopysworld (gibts auch auf deutsch) oder auch die Biografie von Bruce Dickinson: What does this button do? (gibts auch auf deutsch).
Sehr begrüßt habe ich im Film, daß deutsche Sprecher Maidens Kommentare übersprochen haben - weil ganz ehrlich - ich hatte zwar ne 1 in englisch - aber das Genuschel der Jungens ist für mich oft unverständlich , besonders wenn es um Steve geht, der mich neben Dave eigentlich am meisten interessiert.
So war ich nicht auf Untertitel angewiesen und konnte mich auf die Bildgewalt konzentrieren, und die war ein echtes Feuerwerk, erst im zweiten Durchgang hielt ich immer wieder an - da ich die Bilder teilweise gar nicht so schnell ansehen und verarbeiten konnte, wie die die in den Film reinpackten - was alte Aufnahmen anbelangt - irre.
Was mich dann wieder total störte - die verplemperte Zeit mit ellenlangen Gelaber von Fans, wie sie zu Maiden kamen und was das für sie in welchen Krieg bedeutete blabla oder in welcher Lebenskrise - das ist zwar interessant, aber erstens gibts da schon haufenweise Fandokus und zweitens kostet das viel Zeit, die bei der Doku eh schon mit 1 Stunde 45 Minuten viel zu knapp war. Mir hätten die Kommentare von Musikerkollegen wie Lars Ulrich, Gene Simmons oder auch einigen Schauspielern als Fans total genügt.
Das war zwar gut gemeint, aber lenkt komplett von der eigentlichen Geschichte ab.
Am meisten störte mich aber, daß jegliche Konflikte und Probleme der Band diplomatisch umgangen wurden, oder wesentliche infos weggelassen.
Weder ist Paul Di Anno damals freiwillig gegangen und hat da so einen - wie in der Doku abgebildeten lieben Brief hinterlassen (der Brief ist zwar von ihm, stammt aber aus den 70ern und war, als er tatsächlich wegen dem Touring und der genervten Freundin die Band verlassen wollte und Steve ihn abhielt) noch ist Clive Burr freiwillig ausgeschieden - im Gegenteil - das war ein Riesenkrach und eigene Geschichte und Niko wurde nicht erst im Nachhinein eingestellt, das wurde schon lange vorher geplant und arrangiert.
Und die Blaze Ära wird echt auch etwas geschönt.....nach dem Motto halb so schlimm - ich war auf den Konzerten und hörte die Songs, die er einfach nicht singen konnte(wie Hallowed be thy name) und die mir weh taten, auch wenn ich ein Fan von Blaze bin - bei Maiden war er einfach nicht gut untergebracht von seiner Stimme her.
Abgesehen davon - ist die Doku ein Fest, für einen alten Fan wie mich.
Aber das Ding hätte mindestens eine halbe, besser eine Stunde länger sein müssen - und einiges von den Fans hätte ich weggelassen und fand ich völlig uninteressant und irrelevant.
Bruce lange und schwere Krebskrankheit wurde in wenigen Sätzen abgefrühstückt, die Krise, die das mit sich brachte - und das Drumrum kaum erwähnt und Bruce Genesung wurde hingestellt, als ob wäre das mal so nebenbei geschehen. Hierfür empfehle ich unbedingt Bruce Autobiografie - da wirds einem anders zu Mute und leidet man mit.
Auch Nikos schwere Erkrankungen werden schnell abgefrühstückt.
Und einige Krankheiten wie künstliche Hüftgelenke usw. werden von den Membern gar nicht erwähnt.
Was bleibt ist eine Reise in die Vergangenheit - wunderschöne Bilder und eine tolle Geschichte.
Als Maiden Fan muß man es einfach gesehen haben. Auch wenn das Gefühl bei mir zurückbleibt, daß zu viel fehlt und alles zu kurz ist, wie ein Feuerwerk -man kann es nie jedem recht machen und wenn ich jünger wäre und Maiden erst seit einigen Jahren kennen würde, tät mich all das wohl auch nicht interessieren, was ich heute als relevant sehe.
Was interessieren ein Millenial die Roadhouse records aus den 70ern oder die Leute, die in den 70ern bei Maiden spielten? Für mich ein Riesending

Aber egal, ich bin so dankbar für den Film und werde ihn noch unzählige Male sehen.