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China-Klone allgemein
#1
Nehmt es mir bitte nicht übel, aber ich habe bei diesen ganzen Angeboten ein ungutes Gefühl. 

Da werden hochwertige Schaltungen/Geräte westlicher Entwickler/Hersteller mehr oder weniger gelungen nachgefertigt und zum vergleichsweise Schnäppchenpreis angeboten - klare Plagiate also. 
Sonst wird ein großer Wirbel um derartiges Verhalten gemacht (Dr.-Arbeiten u.ä. Diebstahl geistigen Eigentums prominenter Personen z.B.); hier stört es wohl niemanden, weil man selbst keinen unmittelbaren Schaden hat, ja im Gegenteil zu billiger Ware kommt. 

Alle möglichen YTer drehen dann ihre “Testberichte“ oder allgemein “Vorstellungen“ dieser Produkte, womit eine recht massive Werbung bewerkstelligt und nicht selten ein Hype erzeugt wird.

Jaja - man kann mit all diesen Geräten oder Bausätzen seinen Spaß haben…
Aus meiner Sicht wird damit auch nur eine weitere, scheinbar preisgünstigere Form überdrehten Konsums betrieben.

Und die weitergehenden Folgen werden sich beizeiten noch einstellen, darauf ist Verlaß. Die Spielregeln der Märkte sind da gnadenlos  Rolleyes

Nix für ungut.
Gruß Eberhard
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#2
Eberhardt, 
dort drüben sollen die schon angefangen haben, alte Röhrenradios nachzubauen. Vielleicht ist da was für dich dabei ... Wink
Jetzt im ernst: ich kann Deinen Unmut ein wenig nachvollziehen. Auch wenn mich auf der einen Seite der Erwerb dieses "Superverstärkers" ebenfalls reizt so finde ich die 799 euro für ein Chinaprodukt ein wenig überzogen. Selbst wenn ebenfalls in China die Lohnkosten gestiegen sind, so schätze ich den Produktionspreis auf nicht mehr als 150 euro. Ich hatte seinerzeit (2008) ein paar der Ur-Poppulses T40 (Tripathverstärker) nach Deutschland eingeführt. Inklusive Zoll, Eu-Einfuhrsteuer + Versandkosten kostete mich ein Verstärker knapp 110 euro. Wie günstig muss erst Recht die Produktion eines Geräts gewesen sein. Die Verstärker jedenfalls habe ich dann vielleicht auf die Schnelle mit 40 euro Gewinn pro Gerät (vielleicht 6 Geräte) verkauft. Mit dem Mr. Wu dem Entwickler hatte ich schon vor Werner oder Martin Dittmeier Kontakt.

Du darfst - um mal wieder auf das ursprüngliche Thema zu kommen - die chin. Mentalität des Kopierens nicht ausser Acht lassen. Die denken tatsächlich dass der Kopierte sich rühmen darf überhaupt kopiert worden zu sein. Das wäre eine quasi Hochachtung/Ehrerweisung des Kopierers gegenüber dem Kopierten. Aber auch in China wird hochtechnologisch weiterentwickelt. Die kopieren nicht nur - wahrscheinlich ist es eine Frage der Zeit bis der Spieß umgedreht wird.
Gruß
Mustafa
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#3
Ich sehe die Sache schon etwas differenzierter, wobei ich beim Diebstahl geistigen Eigentums durchaus bei euch bin. Nur wo fängt dieser an? Allein die Nutzung alten Wissens, kopieren alter Bauvorschläge, ausgelaufener Patente, ist das Diebstahl?? Dann hätten wir generell ein Problem! Diese sog. "China Clone" sind i.d.R. Nachbauten von nicht mehr aktuellen, bzw. verkäuflichen Originalen, deren Patentschutz, wenn überhaupt vorhanden gewesen, abgelaufen ist, sonst wären sie hier nicht frei verkäuflich. Also rechtlich gesehen, alles ok. Moralisch kann man sicherlich diskutieren, aber wenn es um Geschäfte machen geht, sind westliche Firmen, vor allem aus USA auch noch nie zimperlich gewesen.
Unsd wenn ich mir das Innenleben einer original FM 3000 und den dafür aufgerufenen Preis anschaue, dann frage ich mich ehrlich, wer hier mehr unmoralisch unterwegs ist und bitte nicht immer Entwicklungskosten, etc. anführen, die rechtfertigen keineswegs die aufgerufenen Mondpreise. Außerdem basieren solche Schaltungen ebenfalls auf angeeignetem Wissen, also "So What!".
Wie gesagt, ich wehre mich auch gegen dreiste Kopien und Plagiate, vor allem wenn Markenrechte nicht beachtet werden, aber im Kapitalismus oder liberalen Markt existiert keine Moral! Es dreht sich immer nur ums Geld, ob hier oder dort!
LG,

Horst
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#4
Kleiner Zusatz zum Thema, allerdings allgemein und nicht nur auf China Clone bezogen:

Ich habe ja im "Hans Deutsch" Thread die YT-Videos zum "Hornresonator" von HD empfohlen. Dort geht es ja auch um patentiertes Wissen, obschon natürlich legal kopierbar, da die Rechte ausgelaufen sind. Es wird versucht einen Lautsprecher mithilfe dieses Konstruktionsprinzips nachzubauen oder neu zu entwickeln. Ist das jetzt auch Diebstahl? Oder nur, wenn es jetzt aus China käme?
Ich weiß, ist etwas polemisch formuliert Big Grin

Warum gab es eigentlich kaum Hans Deutsch Nachbauten, sondern nur Lizenzprodukte??
Kann sein, dass die Lautsprecher nicht gut genug für kommerziellen Nachbau, oder doch einfach nur zu schwierig zu kopieren, trotz offengelegter Patente sind.

Was ich damit sagen will ist, dass Einfaches schnell kopiert wird, komplizierte Entwicklungen oft nicht.

So, damit bin ich auch fertig zum Thema und nerve nicht mehr Kicher
LG,

Horst
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#5
Ein ganz oder teilweise kopierter Verstärker o.ä. ist keinesfalls ein Plagiat. Ein Plagiat ist etwas völlig anderes, denn der Begriff entstammt einem völlig anderen Kontext, der mit Schaltungsdesign nichts zu tun hat. Eine Dissertation, die (seitenweise) fremde Texte ohne Kennzeichnung enthält, kann hingegen ein Plagiat sein, weil die wahre Urheberschaft verheimlicht wird, d.h. eine fremde Leistung wird als eigene ausgegeben. 

„Geistiges Eigentum“ im technischen Bereich läge nur dann vor, wenn ein Schaltungsdesign (im weiteren Sinn) rechtlich geschützt wäre, z.B. durch ein aktuell gültiges Patent. Viele Schaltkreise sind überhaupt nicht patentierbar. Andere mögen es sein, aber das setzt das Vorliegen einer „Erfindung“ voraus. Wieder andere wären vielleicht patentierbar, aber es erfolgt keine Anmeldung. 

Selbst wenn ein Patent gewährt wurde, läuft es irgendwann wieder aus. Die Regeln über Laufzeit oder evtl. Verlängerungsmöglichkeiten von sind von Land zu Land überraschend unterschiedlich (Beispiel: Semaglutid). Ist ein Patent einmal ausgelaufen, gibt es — oberflächlich gesagt — kein „geistiges Eigentum“ an der Erfindung mehr. Warum? Weil es keinen rechtlichen Schutz der Erfindung mehr gibt. Rechtlicher Schutz einer Erfindung und geistiges Eigentum daran sind — oberflächlich gesagt — ein und dasselbe. (ACHTUNG! Diese Aussagen sind untechnisch und sehr grob vereinfacht!) Nach dem Auslaufen darf jeder die Erfindung nachbauen und als Produkt vermarkten. 

Das ist übrigens der ganze Sinn und Zweck des Patentrechts. Dem Erfinder wird ein begrenzter Zeitraum zugestanden, währenddessen er die Erfindung allein vermarkten oder auch Lizenzen vergeben kann, ein rechtlich eingeräumtes, aber zeitlich limitiertes Monopol. Unbefugte Nutzung patentierter Erfindungen (Verletzung gewerblicher Schutzrechte) kann rechtlich verfolgt werden. Danach fällt der Schutz weg, und das ist genauso gewollt. Wer versucht, das mit „moralischen“ Pseudoargumenten anzugreifen, ist auf dem Holzweg. 

„Westliche Entwickler/Hersteller“ genießen hier keinerlei Sonderbehandlung. 

Deswegen gibt es streng genommen auch keinen „Diebstahl“ geistigen Eigentums. Stehlen (im Sinne von dem Eigentümer wegnehmen) kann man nur Gegenstände, nicht aber geistige Erzeugnisse. Man kann sogenannte Raubkopien herstellen, eine fremde Leistung als die eigene ausgeben, man kann geschützte gewerbliche Rechte unbefugt verletzen oder Geschäftsgeheimnisse verraten, aber trotzdem verbleibt das Werk, die Marke, die Erfindung etc. beim rechtmäßigen Inhaber. Anders als bei einem Fahrraddiebstahl.

Was man unter „geistigem Eigentum prominenter Personen“ zu verstehen hat, erschließt sich mir nicht, ist aber vielleicht auch irrelevant.
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