Morjen morjen,
ich weine den Tape Decks nicht hinterher, hab so viel Leid und verplempertes Geld dadurch erfahren.
Bin damit aufgewachsen - schon als Kleinkind die ersten tragbaren Monorecorder für meine Hörspiele usw.- so Sachen wie Mopsy Mops
Ich kenne diese Technologie nur als extrem kurzlebig, inkombatibel (jeder Hersteller stellt den Azimut anders ein, was du mit einem Teac V 8000 S für 2.000 Mark aufgenommen hast war auf einem Pioneer kaum anzuhören und umgekehrt)- und die Bänderpreise waren der Wucher bis Mitte der 80er, dann purzelten die Preise alle paar Monate ...........
Aber es gab halt nix anderes, wenn man recorden wollte - außer eben Bandmaschine.......
Die Kasetten selber waren anfällig bei Temperaturunterschieden und wurden schleichend schlechter -
ich weiß noch, alles was ich von BASF hatte, klemmte und klebte früher oder später oder zerbröselte und versaute mir die Tape Decks.
Von Teac hatte ich fast alle Tape Decks rauf und runter - von ca. 1986 an - bis zum letzten Flagschiff, das V 8030 S.
Bin 86 im Studio beim recorden mit der Band in Tuchfühlung mit den Bandmaschinen gekommen und unser Demo wurde in Burgen von Teac Tape Decks kopiert - und daß die so belastbar waren, im Gegensatz zu meinen vorhergehenden Walthams, Sonys und schieß mich tot, beeindruckte mich dann doch. Ich war dann total geil auf Doppeltapedecks, die meine Demos in Mehrfachgeschwindigkeit kopieren konnten - leider war das damals noch mit Qualitätsverlust verbunden und was das größte Problem in der Ära war - die Geschwindkigkeit der ganzen Riementriebler an sich.
Meine Freunde und ich stellten hinterher fest, daß unsere Musik bei jedem Hersteller mit einem leicht veränderten Timing lief von e bissel zu lahm bis e bissel zu schnell.........
Als Waltham und Sony den ersten Walkman in den frühen 80ern rausbrachten - das war schon geil - ich hatte nur noch das Ding auf den Ohren, aber brauchte 2 - da einer generell in der Werkstatt war, weil er leierte oder Bandsalat produzierte.
Und mit den Koss Porta Pro Kopfhörern kam da auch richtig was raus, wenn man mal von der elenden Rauscherei absieht, ich glaub damals die Walkis hatten nur Dolby B.
C und S kamen ja erst viel später.
Leider hatte ich später bei meinen Hochpreis Tapedecks die Megaproblemkrise, schlimmer als bei den billigen.............mein V 8000 S war in der Garantiezeit mehrfach in der Werkstatt und wurde mindestens 3 Mal komplett umgetauscht - weil die da nicht weiter wußten - unter anderem starteten bei mir die Motoren in beide Richtungen gleichzeitig, wenn ich auf Wiedergabe drückte und rissen einfach das Band entzwei.
Ganz übel war auch, daß jedes Tape Deck(Hersteller) nur mit einem gewissen Band gut klar kam wo sie ihre Geräte mit kalibrierten - irre - heute wäre so was undenkbar. Erschwerend erlebte ich sogar, daß ein V 8000 S von Teac, mit dem ich im ersten Jahr über 400 Bänder recordete dann ganz anders ausgesteuert hat, als das vermeintlich identische Austauschgerät, daß ich kriegte - war unanhörbar und fehlten rund 10 db Pegel, da der Azimut ganz anders eingestellt war.
Bei Teac fuhr ich in Masse am besten mit Maxell XL 2 Chrombändern, auch wenn die teuren Metallbänder deutlich höher aussteuern gingen.
Ab dem Teac 5000 in den 90ern hatte ich dann Decks mit Hinterbandkontolle - das war supernützlich. Auch kamen dann die in der Hochpreisklasse endlich quarzgestuerte Geräte - Bandleiern und Geschwindigkeitsdifferenzen beim Abspielen waren endlich Geschichte.
Ich kam als aktiver Musikus auch in CD Zeiten nicht um Tape Decks umhin -
weil ich ja meine ganzen Records von der Band und meinen Musikprojekten auf diesem Medium archivierte, es gab ja nix an Alternative -
bis dann mal Dat aufkam -in den 90ern archivierte ich dann alles um auf DAT.(war das ne Arbeit und dann in den 2000ern alles nochmal rüber auf CD)
CD Brenner waren in den 90ern Science Fiction für Home Audio und für daheim hattest du die Wahl entweder Mehrspurmaschinen auf Video von Tascam zu nehmen oder auf Tape.
Erstere kosteten damals schon über 8.000 Mark in der primitivsten Ausführung - auf Tape hingegen war man mit dem Porta 488 auf 8 Spuren und mit dbx Dolby schon für 3.500 Mark dabei - war der Verkaufsrenner hoch drei im Quadrat. Ich weiß noch, als ich mein Gerät beim Vertrieb in Wiesbaden abholte, wie der Gang gesäumt war mit Auszeichnungen und Urkunden für dieses damalige Ausnahmegerät.
Kurzum, ich nahm viele Jahre mit dem 488er Porta Pro von Tascam (Teac) auf, den Service hatte ich ums Eck sitzen und das Ding war wirklich fast unkaputtbar, im Gegensatz zu dem Consumergeräten.
Wenn man da einmal im Monat mit der Magnetdrossel drüber ist und den Tonkopf mit Spiritus abrieb war alles gut, bis irgendwann nach Jahren neue Gummirollen fällig wurden.
Nach der Jahrtausendwende verkaufte und verschenkte ich meine ganzen Tape Decks -ich glaube das letzte war ein 7010 von Teac - wollte ich nur wegen den Holzwangen nochmal - und einige Doppel Tape Decks -rund 2500 Kasetten saß ich drauf - schenkte meine Frau dann an so ne Behinderteneinrichtung die so was suchten.
Die Qualitätsunterschiede zu ner CD waren für mich einfach zu frappierend, als daß ich das an ner Tannoy Westminster länger ertragen konnte.
Und wenn, dann recordete ich eh alles mit meinen R 10 DAT Recordern von Teac (hab heute noch 2 rumstehen) samt Unmengen von Dat Kasetten.
Unterm Strich - ich habe unfaßbar viel Geld in Tape Decks und Kasetten versenkt und war quasi alles ein Totalverlust, ein Haufen Arbeit und Nervenkrieg und Glücksspiel was wie geht und was nicht.
Zufrieden Musik hören war da eigentlich nie drin.
Für mich war es eine Erlösung den Ballast los zu werden.
Könnte ich die Zeit zurückdrehen - wäre mir aber keine andere Wahl geblieben- von daher hadere ich da nicht mir mir selbst, allenfalls mit der Insdutrie, was die mir da angetan hat als Verbraucher.
Hätte mir damals(80er Jahre) jemand erzählt, daß ich 2007 in voller digitaler Qualität mit 192 khz in SACD Qualität und schier unendlich viel Spurmöglichkeiten und völlig rauschfrei für ein paar Tausender recorden und für alle Ewigkeit verschleißfrei archivieren kann, ich hätte ihn ausgelacht und gemeint, er habe zu viel Perry Rhodan gelesen
Was es halt nicht mehr gibt - diesen schön anmutenden Maschinenbau.
Ich weiß noch, wie ich 1991 oder 92 auf der Hausmesse von Radio Brehm in so ner Mainzer Sporthalle war und dort den Jörg Hermsen kennenlernte - damals zweiter technischer Leiter bei Teac /Esoteric für Europa - und er mir das V 8000 S vorführte (das Ding wog mindestens 20 Kilo und hatte Dolby S) und sagte: So einen Maschinenbau wird es bei Tape Decks nie mehr geben, diese Ära geht zu Ende - wenn sie so was wollen, ist jetzt der Zeitpunkt da - und wie ich wollte
Und was war die Kiste dann ein Reinfall - so klasse wie es auch gebaut war.