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anTiTon Solo Kopfhörerverstärker - der Magier
#1
Der Aufbau des Solo ist im gleichen Gehäuse wie der Arno und der DiAn, die Ausstattung ist ebenso minimalistisch: ein Cinch Eingang hinten, vorne 2 Drehknöpfe wie beim Arno. Links wird das Gerät eingeschaltet und die Ausgangsimpedanz in 2 Stufen geschaltet. Eine ist für hochohrige und eine für eher niederohrige Kopfhörer gedacht. Rechts der Lautstärkeregler, dazwischen eine Klinkenbuchse für den Kopfhörer, that's it.

Um mit der Tür ins Haus zu fallen: der Solo ist für sich genommen ein leistungsfähiger Kopfhörerverstärker der daraufhin konstruierte wurde, praktisch alle handelsüblichen dynamischen und planaren Kopfhörer mühelos anzutreiben - und dabei stets kontrolliert und souverän zu bleiben.

Das allein würde ihn bereits interessant machen, dennoch wäre der Solo ohne DiAn (oder ein vergleichbares Quellgerät - viel Spass beim Suchen ;-) ) verschenktes Potenzial.

In dieser Konstellation erinnert der Solo nämlich frappierend an den Arno-X: organisch, körperhaft, groß im Raum, dabei präzise und fein aufgelöst. Kein klinischer Studio-Sound, kein audiophiler Hochglanz – sondern Musik mit Substanz. Stimmen haben Gewicht, Instrumente stehen stabil im Raum, nichts wirkt ausgedünnt oder künstlich aufgeblasen.

Was mich besonders überrascht hat: die räumliche Darstellung. Sofern man nicht grundsätzlich zu starker Im-Kopf-Lokalisation neigt, erzeugt der Solo eine Bühne, die der des Arno-X erstaunlich nahekommt. Breite, Tiefe, Staffelung – alles da, alles glaubwürdig.

Ich habe den Solo mit Kopfhörern gehört, die preislich kaum weiter auseinanderliegen könnten: vom Beyerdynamic DT-880 in der 600-Ohm-Version über meinen alten Sennheiser HD-580 Jubilee,  Beyerdynamic T1.2 bis zum Focal Utopia (2020).

Der Charakter der jeweiligen Kopfhörer bleibt immer erkennbar, gerade die preiswerteren Kopfhörer zeigen ihr volles Können und wachsen quasi über sich selbst hinaus. Im Moment höre ich mit dem HD-580 Jubilee, der normalerweise in der Box bleibt, da ich ihn (sorry) im Vergleich zu den anderen etwas weich und stellenweise sogar langweilig empfinde. Nicht so am Solo: Wunderbar echte Live Atmosphäre bei Pat Metheny/Side-Eye NYC (V1.IV), herrlich ausschwingende Becken, knurrender Bass und der Applaus samt Publikumsgeräuschen irre real und räumlich völlig vom Musikgeschehen separiert. In gleicher Weise funktioniert das auch mit der Mutter aller audiophilen und melomanen Jazz-Liveaufnahmen Bill Evans Trio/Waltz for Debby.

A capella- und Choraufnahmen sind durch eine feine Separierung der einzelnen Stimmen ein Hörgenuss der besonderen Art, auch weil der ganze Darbietung völlig jede künstliche Betonung bestimmter Frequenzbereiche abgeht, genau so wie jeder Anflug von Sibillanz. Es bleibt Druck, Präsenz, glasklare Auflösung und perfekte Durchzeichnung des Geschehens. Ganz großes Kino! (Gehörte Beispiele u.a.: Nidaros Chathedral Choir/Nidaros, Göteborgs Kammarkör sjunger/Viska du Vind, Arvo Pärt/In Principio, Ladysmith Black Mambazo, Caroline Shaw + Roomful of Teeth/Partita for 8 Voices, Cantate Domino, Jephte, The King’s Singers u.a.m.).

Der Solo kommt aber natürlich mit jeder Art von Musik klar. Jazz, Orchester, Rock, Singer-Songwriter. Das Schöne: auch Aufnahmen die ich bisher über Kopfhörer eher schwierig zu geniessen fand, machen Spass! Mit dem Solo wird es schwer, schlechte Aufnahmen zu finden.

Mein persönliches Fazit: Der Solo ist ein exzellenter Kopfhörerverstärker. In Kombination mit dem DiAn beginnt die Magie. Auch mit einem günstigen Kopfhörer wie dem Beyerdynamic DT-880 in der 600-Ohm-Version oder Sennheiser HD-580 Jubilee und mit Sicherheit auch dessen Nachfolger.
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