Morjen morjen-
es muß so 1970 oder 1971 gewesen sein - auf jeden Fall noch vor dem Kindergarten -
da richtete mein Papa mir ein großes Spielzimmer, Kino und Musikzimmer ein.
Ich werde nie vergessen, ein Projektor und Leinwand, ein Haufen Western, Bugs Bunny usw. Filme und einen Schrank voll mit Schallplatten von Volksmusik wie Heintje, Egerländer und jede Menge Marschmusik, auf die ich total abfuhr.
Das war damals eine große
Musiktruhe von Saba - mit einem kleinen schwarz weiß TV drin, einem Radio und einem Plattenspieler, Kasette kam erst kurz danach bei uns auf und gabs nur diese tragbaren Monorecorder, später auch in stereo.
Da ich aus dieser Zeit keine Bilder mehr besitze und die wahrscheins bei meinen Schwestern gelandet sind - meine Eltern leben ja schon lange nicht mehr - suchte ich im Netz mal - und ich meine, es war diese Truhe, die gerade bei kleinanzeigen steht:
https://www.kleinanzeigen.de/s-anzeige/s...4-172-3165
Einzig und alleine das Alter paßt nicht, die dort abgebildete soll aus den 50er 60er sein und kann sein, daß unsere das Nachfolgemodell war, oder aber, daß die so lange gebaut wurde, denn Papa kaufte alles neu beim TV Händler Olav aus dem Nachbardorf.
Ich bekam einen Schemel, daß ich sonst oben die Klappe nicht aufkriegte und da rankam, um an den Plattenspieler zu gelangen.
Ich erinnere mich auch nicht, was aus der Truhe jemals geworden ist, wohl aber erinner ich mich -
daß Papa mir einige Jahre später seperate Komponenten kaufte - von Waltham - diese Marke wurde von Quelle vertrieben und kam wohl aus der DDR - jedenfalls war das richtig gutes Zeuch für die damalige Zeit.
Ich verlor meinen Vater recht früh an einem Hirntumor und wuchs als Halbwaise in recht ärmlichen Verhältnissen auf, nach dessen Tode, da durch seine mehrjährige Krankheit die Firma pleite ging und mußte bereits als Jugendlicher Geld verdienen, Zeitungen austragen, beim Tierarzt helfen, Autos putzen, Zäune streichen - eben alles, wo man mich gebrauchen konnte -
schrieb sogar ein Buch mit 12 - sonst konnten meine Mutter und ich die Miete nicht zahlen. Daher bin ich erst als Erwachsener in die Beschäftigung mit teurem Hifi gekommen und mußte auf jeden Pfennig achten.
Kurzum ich kaufte mir später von Universum (ebenfalls Quelle) einen tragbaren Kasettenrecorder in stereo mit Radio und Stereobasiserweiterung und ganzen 2 X 3 Watt - und den ersten Hifi Turm bei Quelle von Universum (deren Haumarke) - den billigsten für 599 Mark, den ich ein Jahr lang abstotterte. Als der kaputt ging - stand ich am Anfang der Banklehre - muß ich wohl 15 oder 16 gewesen sein - nahm ich bei dem Musikhaus, wo ich meine Gitarre kaufte und deren Betreiber für mich wie ein Oma und Opa waren (Musikhaus Schall) und mich förderten in all meinen musikalischen Bemühungen - darunter auch durch die hauseigene Musikschule - einen Kredit auf - den ich abstottern konnte, wie ich flüssig war - und kaufte dort meine erste Grundig Fine Arts Anlage und großen WHD 4-Wegboxen - das war der erste Schritt in Richtung echtes Hifi - wenn auch noch kein High End. Ich gönnte mir damals kaum die Salami auf dem Brot, daß ich meine Schulden nach 6 Monaten los war und lief lieber die 5 km zum Bahnhof um das Busticket zu sparen - und lief in Ludwigshafen dann die 3 km zur Bank - und das jeden Morgen und abend - obendrein einen Schäferhund, der vorher morgens um 4 Gassi mußte -bis ich um 5 aufbrach zur Lehre - und abends um 19 Uhr zurück kam - außer Donnerstags - 20 Uhr! Hernach trug ich 4 Mal die Woche Zeitungen und Prospekte aus - und zwar immer 1.500 Stück! Aber das mußte sein, um das Geld für die Miete, meinen Schäferhund und meine Schallplatten und Super 8 Filme zusammen zu kriegen und den Hifikram.
In den Ferien und Urlaub ging ich dann richtig malochen, wie bei meiner Schwester zum Trauben lesen, Wingert schneiden oder bei einem Freund in dessen recording Studio irgendwelche Arbeiten verrichten, bis hin mit so 15 Meter Spulen verstopfte Toiletten frei machen oder als Helfer, wenn der in seinem Fuhrpark Motoren ausbaute und reparierte - oder als Roadie an den Wochenenden, wenn seine Jazzband auftrat und baute den Kram auf und ab und machte den Ton und das Licht.
Der größte mir vorstellbare Luxus in meiner Jugend war es eigentlich morgens mal auszuschlafen und nicht im Halbschlaf den ganzen Tag rumzurennen. So kam es durchaus auch mal vor, daß ich so erschöpft und ausgelaugt war, daß ich 20 Stunden lang nicht mehr wach wurde. Irgendwas in mir ging damals kaputt - was ich aber erst als Erwachsener merkte -da ich eigentlich,um mir meine Hobbys finanzieren zu können beruflich sehr weit aufdrehte und viel arbeitete - später litt ich dann an Narkolepsie und CFS - beides war in den 90ern kaum bekannt bei den Ärzten. Insbesondere durch die Narkolepsie kam ich in wirklich lebensgefährliche Situationen, da das gar nicht kontrollierbar war.
Heute sehe ich es als sehr wichtig an - zu versuchen - auf 7 Stunden Schlaf zu kommen.
Auch wenn Arnold Schwarzenegger nach wie vor in seinen Büchern behauptet, daß 4 Stunden reichen - mir hat es nicht gereicht.
Meine verstorbene Schwester Elke hingegen (gest. 1996 mit 44 Jahren) konnte nie mehr als 2 Stunden schlafen! Die war immer unter Feuer! Die arbeitete auch 18 Stunden am Tag - und na ja, mit 44 wars das.
Das war so in etwa die Zeit, wo ich aufwachte und langsamer trat ......
Was ich sagen will, in den Foren wurde oft der Eindruck erweckt , was ich für ein dekadenter neureicher Unsympath bin, der sich alles leisten kann und nix zu schätzen weiß, das Gegenteil war eigentlich der Fall - für mich war es sehr harte Arbeit Lebensträume umzusetzen und da ärgert man sich umso mehr, wenn was nicht so klingt, wie man es will oder defekt ist und man sich drauf rumärgert.
Ins High End kam ich dann erst später - durch meinen Freund Karl Heinz, in dessen Musikstudios ich jobbte - insbesondere auch in der Bundeswehrzeit, wo ich am Hungertuch nagte - Karl Heinz baute nicht nur selbst P.A. Anlagen mit Zeck Bestückung -
er war auch Hififan von Teac, Tascam und JBL.
Die erste wirklich teure Anlage stellte ich erst zusammen mit seiner Beratung, als ich mit meiner Frau zusammenzog, die ich 1989 kennenlernte.
Lautsprecher waren JBL LX 66 und Vertärker Teac AX 75 - Tape Deck weiß ich auswendig nicht mehr, Plattenspieler war ein Teac.
Von da an nahm alles ungeheure Fahrt auf, da ich den Werner Brehm in Mainz kennenlernte, der damals das Musikstudio Brehm in Hechtsheim betrieb und den Jörg Hermsen, der damals stellvertretender technischer Leiter bei Teac war und die schnell zu meinem Freundeskreis gehörten. Schon 1992 kratze ich dann an der 10.000 DM Grenze mit Lautsprecher, wie der ALR 7.
Ach so und kurz vorher der JBL Ti 5000 usw.
Da war ich dann auch so weit, daß ich recht gut Geld auf der Bank verdiente.
War damals der jüngste Mensch in der Bank, der auf einem Supervisorposten saß.Lange Geschichte und off topic - soll nur verdeutlichen, wie wichtig es mir war, mein Hifi Hobby leben zu dürfen.