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Vorsicht Ohrenfalle: Klangtexturen und Kaufrausch
#1
Morjen Freunde,

ich will euch mal was erzählen aus meinem Erfahrungsfundus.
Thema:
Klangtexturen und Strukturen – wie sie dem Highender den Geldbeutel leeren

Es gibt in der Hifi‑Welt ein Ritual, das so zuverlässig ist wie die Steuererklärung:
Sobald irgendwo etwas im Klang nervt, wird reflexartig der Gerätepark umgebaut.
Ein bisschen wie Möbelrücken, nur teurer.

Da klingt eine Stimme leicht hölzern, ein Becken etwas scharf, ein Klavier irgendwie nach Pappe – und schon beginnt der Tanz: neues Kabel, neuer DAC, neuer Verstärker, andere Sicherung, andere Unterlage, andere Füßchen, andere Netzleiste.
Manchmal fehlt nur noch der Schamane, der den Hörraum ausräuchert.
Das Absurde daran: Die Leute hören ja tatsächlich etwas.

Nur bekämpfen sie meistens den falschen Feind.
Was sie hören, sind Klangtexturen.
Nicht „Höhen“, nicht „Mitten“, nicht „zu viel Bass“, sondern diese schwer zu greifenden Oberflächen im Klang.
Das, was man beschreibt, wenn man sagt: „Das klingt irgendwie hölzern“ oder „Da ist so ein Pappschimmer drauf“ oder „Das wirkt glasig“ oder „Die Stimme klebt an der Nase“.
Jeder kennt diese Worte, aber kaum jemand weiß, was dahintersteckt.

Das Gemeine ist: Diese Texturen kommen selten aus dem Gerät, das man gerade verdächtigt.

Sie kommen aus der Interaktion von Raum, Lautsprecher, Aufstellung, Reflexionen, Möbeln, Teppichen, Tapeten – und ja, manchmal auch Kabeln, aber eher als Verstärker für das eigentliche Problem und nicht als Ursache.

Und dann gibt es noch die Königsdisziplin der Verzweiflung:
Das Umbauen von Lautsprechern.
Neue Weiche rein, Kondensatoren tauschen, Spulen upgraden, Widerstände „audiophil“ ersetzen.
Das ist die chirurgische Variante des Baustein‑Shoppings.
Nur leider mit demselben Ergebnis: Man operiert am Patienten, obwohl der Tumor im Raum sitzt.

Eine Weiche kann keine Raumreflexionen wegfiltern geschweige den eine vom Mobiliar und Baumaterial erzeugte TEXTUR wegbeamen.
Sie kann nicht wirklich eine 3‑kHz‑Härte entschärfen, die von der Seitenwand kommt.
Sie kann keine „Pappigkeit“ beseitigen, die aus einer 200‑Hz‑Mode entsteht.
Sie kann keinen Kochtopfklang (Deckelsound) eliminieren, der von einem auf 600 hz bömmelnden Heizkörper oder eine Emitter Kühlrippe kommt.
Sie kann keine „Glasigkeit“ entfernen, die durch nackte Fensterflächen entsteht.
Man kann eine Box technisch perfekter machen – aber wenn der Raum sie verunstaltet, bleibt das Ergebnis trotzdem verunstaltet.
Das ist wie ein Ferrari auf Kopfsteinpflaster: Das Auto ist nicht das Problem.

Der typische Hifi‑Fan versucht dann, diese Texturen mit Baustein‑Shopping oder Weichen‑Chirurgie zu erschlagen.
Das ist ungefähr so, als würde man bei einem Kratzer im Auto jedes Mal das ganze Auto tauschen, statt einfach mal die Stelle zu polieren.
Ganz vergessen, da gibts noch die Röhrenfraktion - da wird dann tube Rolling betrieben, bis es irgendwann durch Zufall besser wird.........weil den passenderen
Sound gefunden.......

Und dann wundern sich viele, warum sie mit EQ nicht weiterkommen. Ein Echo kann auch dieser nicht beseitigen, aber Texturen schon!

Die Leute drehen aber an einem schmalen Band, hören keine Verbesserung, und schließen daraus: „EQ taugt nichts.“

Dabei war nur die Herangehensweise falsch. Und wahrscheinlich auch der EQ, wenn er als typischer 30 Band mit festen Q Werten angelegt ist.

Texturen sind keine Peaks.
Sie sind Flächen.
Und Flächen korrigiert man nicht mit einem Skalpell.

Was Klangtexturen wirklich sind

Klangtexturen sind breitbandige Überlagerungen.
Sie entstehen, wenn mehrere Effekte gleichzeitig wirken:
– frühe Reflexionen
– stehende Wellen
– spektrale Überhöhungen
– spektrale Löcher
– Transienten, die der Raum anders „anfasst“ als der Lautsprecher
– Möbel, die bestimmte Bereiche verstärken oder verschlucken
– harte Flächen, die den Hochton zerbröseln
– Mastering‑Artefakte, die der Raum dann noch verstärkt

Das Ergebnis ist kein „Peak bei 2,7 kHz“, sondern ein Cluster.
Ein Bereich, in dem das Ohr sagt: „Hier stimmt die Oberfläche nicht.

Und genau deshalb scheitern so viele, wenn sie versuchen, mit einem schmalbandigen EQ dagegen anzukämpfen.
Sie suchen mit der Pinzette nach einem Problem, das man mit einem feinen Schleifpapier lösen müsste.

Ein paar typische Texturen – und wo sie wohnen

Hier mal, was ich so erlebte in diversen Zimmern und Häusern:

Wenn etwas hölzern klingt, so als würde die Stimme in einem Ikea‑Regal wohnen, dann sitzt das oft im Bereich zwischen 150 und 300 Hz.
Ein Raum, der dort zu viel Energie hat, macht Stimmen „kastenförmig“.

Ein kleiner, breitbandiger Eingriff – vielleicht –1 dB mit einem weiten Q –  (0,8 - 1)kann Wunder wirken.

Wenn etwas nasal klingt, so als hätte der Sänger eine Wäscheklammer auf der Nase, dann ist oft der Bereich zwischen 800 Hz und 1,5 kHz überbetont.
Auch hier hilft kein chirurgischer Eingriff, sondern ein sanftes Glätten. (Q 0,6 - 0,8)

Ein –0,5 bis –1 dB breitbandig, und plötzlich klingt die Stimme wieder wie ein Mensch und nicht wie ein schlecht gelaunter Papagei.

Wenn etwas hart oder schneidend wirkt, dann ist der Präsenzbereich zwischen 2 und 4 kHz der Übeltäter.
Das ist der Bereich, in dem das Ohr am empfindlichsten ist.

Zu viel Energie dort – und jede Stimme wird anstrengend und sitzt auf deinem Schoß!
Gitarren schreien und Metal Mucke laut hören ist wie Hämorhoiden ausdrücken in den Ohren!

Ein kleiner, breiter Eingriff, Q um 0,7 bis 1,0, –0,5 bis –1 dB, und die Welt ist wieder in Ordnung.
Das klingt lachhaft wenig - aber probiert es aus - wahrgenommen sind das Welten! 
Der Blade Runner zwischen Klanghimmel und Klanghölle.

Wenn etwas glasig oder zischelnd klingt, dann sitzt das oft zwischen 4 und 8 kHz.
Harte Räume, viel Glas, wenig Absorption – und schon klingt jedes S wie ein Messer.
Auch hier: breitbandig denken, nicht chirurgisch.

Und wenn der Hochton körnig wirkt, so als hätte jemand Sand ins Becken geschüttet, dann ist das oft eine Mischung aus Raumreflexionen und zu viel Energie im Superhochton.
Ein Teppich wirkt da manchmal mehr als ein 1.000‑Euro‑Kabel. Eine Decke über die Hörcouch löst manchmal das Problem wie von selbst.

Ein Beispiel aus meiner Dr. Wohlklang - Praxis mit Blick in den Blumengarten

Im Kellerraum – quadratisch, hart, ehrlich – klangen Serien‑Dialoge irgendwie immer „nach Papier“ (egal welche Box)
Nicht schrill, nicht dumpf, einfach… falsch texturiert.

Der typische Reflex wäre gewesen: anderes Kabel, anderer DAC, anderer Verstärker.
Aber das hätte nichts gebracht.
Denn das Problem war nicht der Baustein, sondern die Struktur im Präsenzbereich, die der Raum erzeugt hat.
Die Lösung war am Ende fast lächerlich unspektakulär:
Ein breitbandiger, kleiner Eingriff.
Ein einziges dB.
Nicht chirurgisch, nicht dramatisch, einfach ein sanftes Glätten.
Und plötzlich funktionierte alles – Musik, Filme, Stimmen – querbeet.
Nicht, weil die Kette „schöner färbt“, sondern weil die Textur korrigiert wurde.

Deinen Hörgeschmack kannste auch mit einarbeiten - nicht jeder Mensch hört Stimmen gleich -
der eine ist genervt vom Opernsänger, der andere kriegt ein schmerzverzerrtes Gesicht -
ich liebe samtweiche und natürliche Stimmen, wie man sie im freien Gelände hört-

also war meine Lösung:
Minus 1 db
bei 2,8 khz
und Q 0,8

Im Studio beim Mix würde man eher bei 3,2 khz einsetzen, Q 0,6 nehmen und 1,5 db.

Wer das verstanden hat, spart sich viel Geld, viel Frust und sehr viele Kartons.
Und gewinnt etwas, das man mit keinem Kabel der Welt kaufen kann:
Ruhe im Klang und in der Ohrenseele.

Leider geht die Hifibranche auf so was gar nicht ein, ich kenne keinen einzigen Händler und lernte auch nie einen kennen, der dem Kunden so was erklärt, stattdessen bekam ich immer zu hören, probier dies Kabel, jenen Lautsprecher, jenen Verstärker , jenes Effektgerät usw.

Aufgewacht bin ich erst im eigenen Masteringstudio und für den Hifibereich krieg ich das erst seit dem RME Adi 2 DAC FS gelöst.

Anderes Thema und könnte ich ein Buch drüber schreiben.
Meine Katze ist schon 11 Jahre alt und arbeitet noch analog als Verbrenner auf Milchbasis! Big Grin
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