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anTiTon Arno-X - Die Konsequenz
#1
Arno-X Vollverstärker, DiAn DAC und Solo Kopfhörerverstärker von anTiTon

Teil 1 - Arno-X - Liebe auf den 2. Blick

Seit einiger Zeit habe ich jetzt das anTiTon-Trio Arno-X, DiAn und Solo bei mir und hatte somit Gelegenheit sie etwas eingehender zu hören. 

Den Arno-X und den DiAn habe ich überwiegend zusammen gehört.

Zum Verständnis: mein Fokus beim Musikhören liegt schwerpunktmässig auf Jazz und Klassik, mein Maßstab ist der Klang umverstärkter akustischer Instrumente und natürlich auch Stimmen. Da ich regelmässig entsprechende Konzerte besuche habe ich auch den Originalklang im Ohr. Ich höre natürlich auch Rock und Pop und habe da auch schon sehr viel live gehört, von Anne Clark über Motörhead bis Frank Zappa.
Hier folgt also kein Test mit Aufzählung von technischen Daten etc. sondern ein subjektiv geprägter Hörerfahrungsbericht, die Musikauswahl ist also eher individuell.

Der Arno-X ist eine kompromisslose Weiterentwicklung des Arno: untergebracht in einem größeren Gehäuse, mit kanalgetrennten Netzteilen und durchweg audiophilen Bauteilen. Im Gegensatz zum Arno verfügt der X über drei statt zwei Eingänge sowie über eine serienmäßige Fernbedienung zur Lautstärkeregelung mittels Motorpoti mit eigener Stromversorgung.
Die Fernbedienung halte ich für elementar und nutze sie ständig. Die Abstimmung ist für meinen Geschmack perfekt gelungen: Ein kurzer Druck auf die Plus- oder Minus-Taste verändert die Lautstärke gerade so hörbar, bei längerem Tastendruck bleibt die Regelung dennoch feinfühlig genug, um schnell die gewünschte Lautstärke zu finden.
Die Leistung steigt geringfügig von 2 × 15 auf 2 × 18 Watt. Geblieben ist die puristische Ausstattung ohne Displays oder Einstellmöglichkeiten – ebenso wie der deutliche „Plopp“ beim Ein- und Ausschalten. Für manche ein No-Go, mir dagegen herzlich egal: Ich bin das seit den StSt-Opus-Endstufen vor 30 Jahren eh so gewohnt.

Oft heißt es ja, dass der erste Eindruck der richtige ist. Zunächst hatte die Kombi an meiner Wiederentdeckung  StSt Probus (89 dB) angeschlossen und war erstmal ziemlich fasziniert von der Souveränität des Arno-X. Nicht dass der normale Arno auch bei gehobener Lautstärke je unpräzise geworden oder „ins Schwimmen“ gekommen wäre, aber der X legt da schon noch eine Schippe drauf. Z.B. beim klar konturierten Tiefbass und den tiefsten Stimmlagen bei Geoff Canteluccis Sound of Silence die zwar überzogen aufgenommenen wurden. Oder Percussions die noch glaubhafter und dreidimensionaler im Raum stehen (Chicago VII - Aire). Was die Kombi auf Anhieb so faszinierend macht ist neben der Größe und Ausleuchtung des Raumes (sofern auf den Aufnahme eingegangen) auch die Körperhaftigkeit entsprechender Schallereignisse, gerade auch wenn sie im Gesamtgeschehen etwas leiser sind (Bernd Heitzler/BassTrio: Bye Bye Blackbird) sowie das lange Ausklingen z..B. von Becken.

Die Paradedisziplin der StSt Probus ist besonders ein sehr klarer, anspringender und schlackenloser Grundton- und Mittenbereich mit räumlich exakter Lokalisation. Sie ist verstärkertechnisch nicht ganz so wählerisch wie die Tablette und spielt gut mit dem Arno, dem Puresound A30 (Triode Mode) und überraschenderweise dem Aiyima A07 max mit Sparkos OPs, weniger überzeugend dagegen mit der ICEPower Endstufe.

Die ProAc Tablette 8 Reference Signature kann eine wahre Diva sein: Mit unpassenden Verstärkern klingt sie schnell nervig und gepresst. Mit dem Arno funktioniert sie bereits sehr gut, mit dem Arno-X jedoch deutlich besser. Es ist eine wahre Freude, wie sonor, fast „fett“ und zugleich fein aufgelöst die Winzlinge hier spielen. Sie spannen einen erstaunlich großen Raum auf – kaum kleiner als der der Extremi – und füllen ihn mühelos mit Musik.
Eigentlich harmoniert die Tablette hier nur wirklich überzeugend mit dem Arno und dem Arno-X, wobei der Arno-X hier den kleinen Bruder mühelos überflügelt.

Die Sonus Natura Extremi ist mit 95 dB und Impedanzlinearisierung mein am leichtesten anzutreibende Lautsprecher und entsprechend subtiler fallen die Unterschiede des Arno-X zum Arno aus. 

Der Extremi harmonieren sehr gut mit dem Arno, klingen aber auch sehr ordentlich mit dem Puresound und besonders der ICEPower Endstufe - weniger, fast schon langweilig dagegen mit dem Aiyima A07 max. Überraschend, fast schon erschreckend gut klingt die Extremi übrigens am Yamaha RX-A6A AV-Receiver. Gegenüber dem Arno fehlt etwas Auflösung und Genauigkeit, dennoch sehr angenehm zu hören. Mit der Eros 9 die ich testweise mal hier hatte hat der Yamaha dagegen nicht so recht harmoniert.

Also, soo subtil wie zuerst vermutet sind die Unterschiede an der Extremi dann doch wieder nicht: Tomasz Stańko Quartet/Suspended Night: Song For Sarah + Suspended Variation II habe ich hier noch nie so groß und mächtig gehört, dabei immer locker und ungemein anmutig und fein ziseliert an den entsprechenden Stellen, dieselben Musiker bis auf Stanko und ähnliche Eindrücke bei Simple Aoustic Trio/Trio: Hyperballad. Diese Art der Wiedergabe ist nicht nur ein großer klanglicher Genuss sondern dient unmittelbar dem Verständnis der Musik, weil unmittelbar klar und hörbar wird, wie unglaublich präzise und sensibel das Zusammenspiel  dieser Ausnahmemusiker ist. Die Aufnahme zu hören ist fast wie bei der Entstehung dabei zu sein!

Ich bin eigentlich überhaupt kein Operetten-Fan, aber eine Ausnahme gibt es doch: Johann Strauss - Die Fledermaus in der Einspielung mit Carlos Kleiber. Bei dieser Aufnahme stimmt (fast) alles: Orchester, wunderbare Sänger (bis auf die seltsame Besetzung des Prinzen Orlowski mit Ivan Rebroff (!), der im Falsett (!!!) singt) und die Aufnahmetechnik mit einer erlebbaren Bühne. Ein richtiger audiophiler Spass und Anspieltipp ist der III.Akt mit einem kurzen Vorspiel und den Szenen „Täubchen, das entflattert ist“,  „So, da wär'n wir ja zu Hause im Vogelhaus“ und „Ah, der Herr Direktor ist entschlafen“. Der X lässt hier keine Wünsche offen, alles ist sauber geordnet auf der Bühne und man kann sich einer selten gewordenen Dynamik erfreuen.

Appalachian Spring von Copland ist in der Mercury Einspielung mit Dorati eine der legendären frühen Stereoaufnahmen, der CD-Ausgabe kann man höchstens anlasten, daß die Violinen etwas zu präsent in den Höhen sind, mit dem DiAn und Arno-X ist es jedoch kein Problem auch etwas lauter zu hören.

Weitere gehörte Aufnahmen:

Toto/Toto IV - Africa. Bin zwar jetzt kein riesengroßer Toto Fan, aber endlich entfaltet sich der Song über einem stabilen Fundament so vielschichtig, dass es ein Genuss ist sich das anzuhören.

Mark Knopfler/Privateering - Kingdom of Gold ist ein toller epischer Song, besonders wenn sich die Background Vocals noch schöner und differenzierter als gewohnt im Hintergrund auffächern.

Nun interessierte mich, wie sich der X ohne die Unterstützung seines „kleinen“ Bruders DiAn so schlägt und hörte eine paar Platten. Als Quelle diente die bewährte Kombination aus dem anTiTon Anti-Lenco Plattenspieler und dem Joaquim Pinto Brutus MM Phono Pre.
Zunächst steht der audiophile Kracher La Folia de la Spagna auf dem Programm, in diesem Fall das harmonia mundi Original als Bestandteil einer 3-LP-Box mit 3 LP für unter 20 DM. Diese LP ist für mich nach wie vor DER Maßstab einer räumlich und dynamisch perfekt eingefangenen Aufnahme inklusive fehlerloser Pressqualität - Vinyl at it’s best. Die Musik ist ein wenig verrückt und die Besetzung umfasst neben Barockinstrumenten (plus Sitar) auch aufgeblasenen Luftballons, die losgelassen durch den Raum schiessen und dabei vor sich hinfurzen, tschilpende Spatzen, ein Auto sowie einen Rasenmäher. In konkreter Erwartung was nun kommen würde startete ich die Wiedergabe und war ziemlich überrascht, wie die Musik in bislang ungehörter Weise organisch klang und regelrecht atmete! Ich wollte die Platte eigentlich nur anspielen, aber ruckzuck war die 1. Seite durch und einige bislang als langweilig empfundene Passagen waren praktisch verschwunden, will sagen: es zog mich regelrecht rein! 
Kontrastprogramm: Nina Simone, Little Girl Blue hatte ich so schön noch nie gehört! Was mich jedoch völlig perplex machte war die Tatsache, dass beide Platten einige, wenige Stellen aufwiesen die ich bislang als tendenziell leicht unsauber empfunden hatte, was ich immer als Restfehler der analogen Wiedergabe akzeptiert hatte. Diese Unsauberkeiten waren weg! Lost in resolution???

Nun folgt ein etwas sentimentaler Rückblick in meine musikalische Jugend, wobei diese leider Ära zu der Zeit als ich sie entdeckte schon wieder vorbei war.
Von der 1. LP von ELP habe ich ein englische Pressung in leider eher bemitleidenswertem Zustand an dem auch mehrere Wäschen leider nicht viel ändern konnten. Egal, Take a Pebble ist eins meiner absoluten Lieblingsstücke: nach einem Intro in dem Emerson (als einer der ersten!) die Saiten des Flügels mit einem Plektrum anreisst, dann folgt ein eher ruhige Balladenteil führt und nach einem kurzen jazzigen Intermezzo kommt die Musik nach dreienhalb Minuten schon zu einem fast völligen Stillstand. Man hört dann die Steine in den Teich fallen während Greg Lake auf der akustischen Gitarre erst ganz leise weiter hinten improvisiert bis er einen eingängigen Lick gefunden hat und diesen ein paar mal wiederholt während die Gitarre aufnahmetechnisch  immer grösser aufgezogen wird und von links hinten nach vorne Mitte wandert und wieder zurück - wobei das im Mittelteil so direkt klingt, dass es einen regelrecht in den Sessel drückt. Danach übernimmt das Piano die verträumte Improvisation die sich steigert und schließlich ein einzelner Basston die Sache erdet und einen jazziger Zwischenteil einleitet. Mit dem Arno X wird mir erstmal so richtig klar, wie genial der Bass hier gespielt ist der regelrecht singt und melodisch mit dem Piano interagiert während Carl Palmer zunehmend mit dem Schlagzeug eine Art gegenläufigen Rhythmus aufbaut was sich dann zuspitzt, bis das Trio schließlich zur ursprünglichen Ballade zurückfindet und Greg Lakes klare warme Stimme, die damals auf ihrem Höhepunkt war, für Gänsehaut sorgt. Diese Platte wäre in gutem Zustand eigentlich eine audiophile Perle der die verfügbaren digitalen Versionen leider nicht gerecht werden, übrigens auch nicht die deutsche Pressung der LP.

Ebenso unverwechselbar ist Leonard Cohens Stimme auf Everybody Knows und I’m Your Man, sonor und felsenfest in der Mitte, schön dahinter versetzt der Backgroundgesang von Jennifer Warnes, mehrfach nebeneinander bei Everybody Knows. Die gewollt synthetisch aber nicht steril klingende Musik umrahmt das sehr gekonnt in mehreren Ebenen. 
Ebenso wie be Clannads „Macalla“ wird aber auch klar, daß die Aufnahme der Stimmen dem Zeitgeist etwas präsenter in den Höhen ausfällt als es natürlicherweise wäre.

Rodrigos Concierto d’Aranjuez steht auf dem Programm. Pepe Romeros Gitarre ist nicht nur räumlich exakter ortbar als ich das bisher kannte sondern hat einen fest umrissenen Körper und klingt, wie der Rest auch sehr natürlich, insbesondere pp gespielten Violinen klingen wunderbar delikat. 

Als nächstes die Karelia Suite von Jean Sibelius, ein raffiniert aufgebautes und beeindruckendes Orchesterstück das leider live selten zu hören ist. Hier beeindrucken besonders die Bläser im Schlusssatz, die wunderbar strahlend, offen und präsent klingen aber nicht aggressiv oder schrill.

Noch ein nostalgischer Ausflug: Triumvirat/Pompeii -Hymn. Auch dieses Album klingt auf LP deutlich besser als digital, besonders das viel realistischere Piano sowie das aufnahmetechnisch sehr groß und effektvoll eingefangene Schlagzeug.


Wodurch zeichnet sich denn nun der Arno-X aus? Neben einer ausgeprägt organischen Spielweise fallen mir die ausgeprägte räumliche Staffelung ein, aber auch der besonders natürliche und geradezu anmutige Ansatz bei akustischen Instrumenten. Schwer zu beschreiben, aber wer regelmäßig in Konzerte geht weiß vielleicht was ich meine, es klingt einfach echter und weniger eckig und mechanisch, was ich einer ausgeprägten Feindynamik zuschreiben würde. Grobdynamisch agiert der X sowieso tadellos, wenn es sein muss auch brachial. Impulse werden blitzschnell und unkomprimiert an die Lautsprecher weitergeleitet. Was alles zusammen in Summe dazu führt, dass bei vielen Aufnahmen ein tieferer Blick und ein intuitiveres Verständnis dafür entsteht was da eigentlich vor sich geht.

Der Arno-X spielt sich hier also hier klanglich und musikalisch auf ganzer Linie an die Spitze. 
Ist der Arno-X nun der heilige Gral? Ich sag mal so: er hat das Potential dazu, sofern die Randbedingungen passen als da wären: 1.exzellente Quellgeräte (wie der kongeniale DiAn) und 2. ganz pragmatisch dass die Leistung von nominal 18 W für den Anwendungsfall ausreichend ist. Das hört sich jetzt für manchen sehr wenig an, aber hier hatte ich an keinem Punkt und mit keinem Lautsprecher das Gefühl, daß es an Leistung oder Kontrolle fehlt, und ich höre durchaus gerne mal etwas lauter.

Warum nun aber Liebe auf den 2. Blick? Nun, der allererste Eindruck war ja sehr gut mit der Probus. Danach habe ich den Fehler gemacht, den Arno-X und den DiAn mit meinen vorhandenen Geräten vergleichen zu wollen, was zu überhaupt gar nichts geführt hat - es war fast so, als würden sie sich dieser Vorgehensweise sogar verweigern.
Um zu verstehen und zu erfahren, was diese Geräte auszeichnet, reicht ein kurzer Vergleich nicht, es erschließt sich erst so richtig wenn man sich hinsetzt und  der Musik in Ruhe zuhört.
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#2
Thumbs Up 
Sehr schöner Erfahrungsbericht!
LG,

Horst
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#3
Danke für denBericht, schön zu lesen, ist sicher eine starke Empfehlung für diese Arno Komponente!
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#4
Schade dass man auf die schnelle nichts im Netz findet. Wahrscheinlich aufgrund dessen dass der Arno ein Nischenprodukt ist und nicht weitgehend getestet wurde. Eine erste Suche verweist lediglich auf dieses Forum.
Gruß
Mustafa
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#5
Ja, Mustafa, so sieht es aus. Die Geräte werden in Okzitanien entwickelt und dort in Handarbeit gebaut. Jedes Gerät ist quasi ein Einzelstück.
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#6
(Heute, 02:14)tripath-test schrieb: Schade dass man auf die schnelle nichts im Netz findet. Wahrscheinlich aufgrund dessen dass der Arno ein Nischenprodukt ist und nicht weitgehend getestet wurde. Eine erste Suche verweist lediglich auf dieses Forum.

Ein geringer Bekanntheitsgrad ist - für innovative Unternehmen abseits des Mainstreams - aus meiner Sicht fast überlebensnotwendig. 

Die Versuchung, groß raus zu kommen und Kohle zu machen, führte bei vielen wirklich guten Startup-Unternehmen häufig zu einem Verlust an Kreativität und im Verlauf der Zeit schnell zum Verfall in Mittelmäßigkeit durch Orientierung am Massenmarkt.

Wir tauschen die "kostbare Perle" für vergängliches Ansehen und bedrucktes Papier ein.

Gruß
Rainer
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