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Weltpremiere Röhrenvorstufe Makroaudio Proxium Pre
#77
Noch etwas, weil ich gestern berichtete, daß die Proxium Pre ordentlich Dampf hat im Präsenzbereich - wegen Filmen, wo das auffällt:

Das führt zu einem Themenbereich, der mir seit Jahren im Ohr und auf der Pelle liegt, aber in HiFi‑Kreisen erstaunlich selten offen diskutiert wird. Es geht um etwas, das viele von uns kennen, aber kaum jemand wirklich einordnen kann: Warum klingen so viele deutsche Filmsynchronisationen im Präsenzbereich und bei S‑Lauten so scharf, zischelig oder „angespitzt“ – und warum fällt das auf neutralen, hochauflösenden Anlagen plötzlich gnadenlos auf?

Da kommen wir zur Proxium Pre. Eine Vorstufe, die nichts beschönigt, nichts rundet, nichts kaschiert. Sie reicht einfach linear durch. Und genau dadurch hört man Dinge, die man mit wärmeren Geräten (bei mir jahrzehntelang die ASR Emitter) elegant runtergeschmeichelt bekam. Damit kein falscher Eindruck entsteht: Die Proxium Pre betont nicht den Präsenzbereich. Sie zeigt nur, was wirklich auf der Tonspur drauf ist. Und das ist bei deutschen Synchros oft… sagen wir mal: interessant.

Das Problem sitzt nicht in der Anlage, sondern im Mastering der deutschen Sprachspur. Und das hat mehrere Gründe, die man kennen sollte, bevor man seine Elektronik verdächtigt.

Der erste Punkt ist die deutsche Sprache selbst. Deutsch hat mehr harte Konsonanten, mehr Zischlaute, weniger Brustresonanz und weniger Vokalkörper als Englisch. Englisch ist von Natur aus runder, körperhafter, weicher. Damit deutsche Sprache auf Fernsehern verständlich bleibt, wird im Studio fast immer der Bereich 3–4 kHz (Präsenz) und 5–7 kHz (Zischlaute) angehoben. Das ist kein Fehler, sondern Absicht. Und es ist seit Jahrzehnten Standard.

Der zweite Punkt: Deutsche Synchros werden nicht für High‑End‑Anlagen gemischt, sondern für Fernseher. Und TV‑Lautsprecher haben nun mal keinen klar konturierten Bass, keine großartige Bühne, keine Luftigkeit. Damit Sprache dort Authentizität erhält, wird der Präsenzbereich künstlich „aufgehellt“. Auf einer neutralen Anlage klingt das dann schnell hart, dünn oder zischelig. Auf einem Emitter oder einer warm abgestimmten Röhre und gutmütigen Lautsprechern (meist Kalotten) fällt das weniger auf. Auf einer neutralen Vorstufe wie der Proxium Pre hört man es sofort.

Der dritte Punkt ist ein Klassiker in deutschen Studios: der SPL Vitalizer und ähnliche Exciter. Diese Geräte sind in der Synchronbranche so verbreitet wie Kaffee. Sie machen Stimmen „klarer“, „durchsetzungsfähiger“ und „brillanter“. Für TV super. Für High‑End oft zu viel des Guten. Viele Tonmeister sprechen offen darüber – das ist ein Werkzeug, kein Fehler. Aber es erklärt, warum deutsche Synchros oft schärfer wirken als englische Originalspuren.

Und dann gibt es noch einen vierten Punkt, den viele gar nicht kennen: Die alten DEFA‑Synchros aus der DDR. Die wurden für Kinos gemischt, nicht für Fernseher. Keine Exciter, keine künstliche Brillanz, keine übertriebene Präsenz. Warm, körperhaft, natürlich. Viele dieser alten Synchros klingen heute angenehmer als moderne Produktionen. Das ist kein Nostalgieeffekt, sondern schlicht eine andere Tonmeister‑Philosophie.

Wenn man all das weiß, versteht man plötzlich, warum manche Filme auf einer neutralen Anlage „nerven“, während die englische Originalspur völlig entspannt klingt. Und warum eine Vorstufe wie die Proxium Pre nicht „zu viel Präsenz“ macht, sondern einfach nur ehrlich ist.

Was kann man dagegen tun? Ich habe viel experimentiert und bin zu einer Lösung gekommen, die bei mir hervorragend funktioniert, ohne die Musik zu ruinieren. Eine leichte, breitbandige Absenkung von 1,5 db mit Q 0,7 um 4,2 kHz nimmt die Härte raus, ohne Details zu verlieren. Eine kleine Korrektur bei 6,3 kHz von minus 1 db mit Q4 entschärft die Zischlaute, die besonders bei deutschen Synchros gerne überbetont sind. Und ein sanfter Lift bei 10–12 kHz(o,5 db reichen) bringt die Luftigkeit zurück, damit die Bühne offen bleibt. Das ist keine Hexerei, sondern schlicht Psychoakustik. Und es funktioniert.

Was man eher nicht machen sollte - ist eine harte Korrektur vornehmen im Zischbereich von 6 khz - da dies auch andere Informationen verdeckt, die nicht auf der Sprachspur drauf sind, Bekannte von mir gehen da gerne mit minus 3 bis minus 6 db (je nach Lautsprecher) heran - außerdem werden dann die drüber liegenden Frequenzen bei 8 khz als Pfeiftöne in manchen Stimmen auffällig. Und dann macht man da auch ne große Delle, und voila- ist wie wenn man die Wirbelsäule operieren und versteifen läßt, der Druck und die Beschwerden wandeln zum nächsten Wirbel. Daher homöopathisch aber/und breitbandig herangehen.

Das führt zu einem angenehmen Kompromiß.

Ich hoffe, das hilft dem einen oder anderen, der sich schon immer gefragt hat, warum deutsche Stimmen manchmal „schneiden“, obwohl die Anlage eigentlich perfekt spielt. Es liegt nicht an der Elektronik. Es liegt an der Art, wie deutsche Sprachspuren gemischt werden. Und wenn man das weiß, kann man mit ein paar gezielten EQ‑Eingriffen sehr viel entspannter Serien schauen.

Das lag mir jetzt noch auf dem Herzen, schönen Tag euch allen!
Meine Katze ist schon 11 Jahre alt und arbeitet noch analog als Verbrenner auf Milchbasis! Big Grin
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RE: Weltpremiere Röhrenvorstufe Makroaudio Proxium Pre - von Kellerkind - 06.04.2026, 08:03

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