Vor 4 Stunden
Mythology Zeus – ein fast vergessenes deutsches High-End-Laufwerk? Auf den Spuren von Lothar Lange
Über den Linn LP12, Thorens, Platine Verdier und viele andere klassische Laufwerke findet man heute umfangreiche Informationen, technische Dokumentationen und unzählige Erfahrungsberichte. Bei einem anderen Laufwerk, das offenbar ebenfalls eine besondere Stellung in der deutschen High-End-Szene hatte, sieht das etwas anders aus: dem Mythology Zeus von Lothar Lange.
Obwohl es noch Besitzer und gelegentlich auch Gebrauchtangebote gibt, sind verlässliche technische Informationen erstaunlich rar. Alte Forenbeiträge liefern einzelne Hinweise, aber ein zusammenhängendes Bild der Konstruktion, der verschiedenen Ausführungen und der Geschichte des Herstellers lässt sich bislang kaum finden.
Das möchte ich gern ändern und hier Informationen zusammentragen. Vielleicht gibt es noch ehemalige Besitzer, Händler oder andere Zeitzeugen, die etwas zur Geschichte dieses ungewöhnlichen Laufwerks beitragen können.
Was mir über den Zeus bekannt ist
Der Zeus ist ein riemengetriebener Subchassis-Plattenspieler, der von Lothar Lange unter dem Markennamen Mythology entwickelt und in kleiner Stückzahl gebaut wurde. Klanglich machte er damals vor allem im Stuttgarter Raum und bei den wenigen Mythology Händlern ziemlich Furore, da er im klanglichen Vergleich mit den damaligen Platzhirschen wie Linn LP12 und sogar Platine Verdier wohl für einige nachdenkliche Gesichter sorgte und dabei noch einigermaßen bezahlbar blieb.
Die Optik ist völlig klassisch und erinnert an Player wie eben den LP12 oder auch die Thorens TD160 Reihe. Rein optisch wohlgemerkt, technisch hatte der Zeus mit dem Linn außer dem Motor nicht allzuviel gemein, mit den günstigen Thorens Drehern noch viel weniger.
Die Konstruktion geht nämlich einen durchaus eigenständigen Weg.
Anders als bei vielen klassischen Subchassis-Laufwerken findet man beim Zeus ein extrem stabiles, aber leichtes Subchassis in Form eines Kreuzes aus 2 verschweissten Alu-Rechteckprofilen. Dazu kommt ein schwerer, gedrehter Aluminiumteller, dessen Gewicht etwa 3,5 kg beträgt und der klassisch über einen Riemen angetrieben wird.
Das ergibt eine interessante Kombination: ein entkoppeltes Subchassis, aber gleichzeitig eine vergleichsweise massive Konstruktion, die auf maximale Steifigkeit ausgelegt. Der Zeus ist also weder ein typischer leichter Subchassis-Spieler noch ein klassisches Masselaufwerk.
Die Zarge besteht aus einem sehr stabilen, massiven Holzrahmen, der in verschiedenen Holzarten lieferbar war sowie einem Boden der als eine Art Wanne aus stabilem Aluprofil und Blech fest vernietet ist. Oben ist eine Alu-Deckplatte eingepasst, die in schwarz oder alufarben lieferbar war.
Das Laufwerk steht auf 4 sehr massiven, feinfühlig höhenverstellbaren Stahlfüssen die unten eine Art Spike als Auflage haben.
Die Federung besteht aus 3 kegelförmigen Schraubenfedern, die durch ein Gummiformteil mit dem Subchassis verbunden sind und unten auf einer in die Bodenplatte integrierte, von außen zugänglichen Höhenverstellung aufliegen.
Die erstmalige Justage des Subchassis ist ziemlich diffizil weil sie von vielen Faktoren abhängt. Ist sie jedoch einmal korrekt erfolgt, ist sie (im Gegensatz zum damaligen Hauptkonkurrenten) absolut langzeitstabil. Kleine Änderungen wie ein zusätzliches Gewicht durch z.B. eine schwerere Tellerauflage lassen sich recht einfach über die Höhenverstellung anpassen. Dabei sollte der Plattenteller bei aufliegender Platte absolut parallel zur Deckplatte sein und bei kontrolliertem Antippen des Subchassis frei und möglichst kolbenförmig nachschwingen.
Das Lager besteht aus einer polierten Lagerachse, die in einer Teflonbuchse läuft. Nach dem richtigen Öl gefragt, meinte Lothar Lange mal dass man einfach ein paar Tropfen normales Motoröl nehmen soll.
Der Plattenteller wiegt ca. 3,5 kg, die Lagerachse ist in eine entsprechend eng tolerierte Buchse eingepresst, konnte aber vom Hersteller getauscht werden. Der Teller ist einteilig, von unten ist eine Nut eingefräst, in der der Motorpulley und der Riemen Platz finden. An der äußeren Kante der Nut ist eine Art Bitumenstreifen zur Bedämpfung des Tellers eingeklebt. Serienmäßig wurde der Zeus mit einer schwarzen Filzmatte geliefert, bei meinem habe ich die durch die weiße DNM/Reson Filzmatte ersetzt.
Als Motor kommt ein Synchronmotor von Airpax mit 110 V, 50 Hz und 250 U/min zum Einsatz, der konsequenterweise in der Zarge moniert ist. In der Standardversion wurde der Motor über einen einfachen passiven Phasenschieber angesteuert der aus Widerständen und einem Kondenstaor besteht, damit sind nur 33⅓ U/min möglich. Gegen Aufpreis gab es eine elektronische Motorsteuerungen mit Umschaltung zwischen 33⅓ und 45 U/min.
Bei den mir bekannten Exemplaren ist ein rudimentäres axiales „Hilfslager“ in Form einer Nylon-Schlitzschraube montiert, die von unten durch ein Loch in der Bodenwanne zugänglich ist. Sollte der Motor brummen oder schleifende Geräusche verursachen, kann durch eine feinfühlige Justage der Schraube die Höhe auf minimale Geräuschentwicklung eingestellt werden, im Idealfall (nahezu) unhörbar.
Der Pulley ist massiv aus Alu gedreht und erlaubt nur eine Geschwindigkeit.
Der Tonarm Pan
Ein weiteres interessantes Detail ist der Tonarm Pan. Zum Zeus konnte der hauseigene Tonarm Pan hinzubestellt werden, eine OEM Version des geraden Jelco SA-250ST mit fester Headshell, aber in einer speziell für Mythology ausgeführten modifizierten Version mit besseren Lagern.
Der Zeus war aber nicht auf diesen Tonarm beschränkt. Üblich waren Kombinationen unter anderem mit dem Linn Ittok und Ekos, dem Zeta, dem Alphason HR-100 und dem Mission Mechanic, aber auch Rega. Da die Arme mit „Linn Geometrie“ und Rega unterschiedliche Distanzen zwischen Teller und Tonarmdrehpunkt erfordern, gab es konsequenterweise auch (mindestens) 2 verschiedene Subchassis-Kreuze.
Besonders interessant finde ich die Überlieferung, dass der Mission Mechanic Lothar Langes bevorzugter Tonarm gewesen sein soll.
Meine eigene Kombination
Ich besitze selbst einen Mythology Zeus mit Mission Mechanic und Lyra Lydian Beta.
Dieser har eine recht bewegte Vergangenheit. Gekauft habe ich ihn gebraucht von Stefan Strohmetz, der ihn eine Weile als Plattenspieler für Händler- und Messedemos seiner damals neu entwickelten Lautsprecher Probus verwendete. Damals war ein Rega RB300 montiert.
Im direkten Vergleich mit Stefans neuem Zeus mit Mechanic Tonarm und Goldring Excel Abtaster konnte meiner natürlich nur sehr bedingt mithalten, außerdem erlaubte die etwas „spezielle“ Montage des Rega Arms auf dem Zeus zwar eine Höhenverstellung, die war zwar mechanisch stabil, wirkte jedoch improvisierte und es war ein ziemliche Fummelei, Wiederholgenauigkeit Fehlanzeige. Geld war aber auch knapp, also kam als nächstes der Pan drauf. Den Umbau ließ ich damals von Stefan Strohmetz machen, der schnell zum Zeus Fachmann geworden war.
Es ging nicht lange und mir lief Mitte der 90er ein gebrauchter Mechanic über den Weg, der von einem Stuttgarter Händler in Kommission angeboten wurde und der Händler baute ihn dann auch ein. Eine finanziell fragwürdige Entscheidung, denn zum einen lag der Preis doch noch ziemlich hoch und zum anderen lief der nie so recht zufriedenstellend und schließlich musste ich mir eingestehen, daß der nicht nur einen Lagerschaden hatte (wie fast all Mechanic mit Keramiklager) sondern dass die Lageraufnahme auch geometrisch daneben war, der Arm hatte letztendlich einen vom Hersteller verursachten verstellten Azimuth von ca. 1,5 Grad. Vor nicht allzulanger Zeit nahm die Sache dann doch noch ein gutes Ende, denn Stefan Strohmetz war auch jahrelanger Tonarm Fachmann, besonders auch für den Mechanic und konnte mit seinem Maschinenpark neue, geometrisch korrekte Lageraufnahmen sowie neue Lager, die auch im StSt Tonarm Vertex eingesetzt werden, einbauen.
Seitdem klingt der Zeus endlich so wie er sollte. Vermutlich hätte ich das einfacher haben können, denn etwa zeitgleich mit dem originalen Mechanic wurde mir aus dem Dunstkreis des Herstellers der Mechanic und Zeta Tonarme ein handgefertigtes Einzelstück des Mechanic angeboten, der nicht aus Aluminium sondern aus einer Magnesiumlegierung gefertigt war. Das wäre nachträglich betrachtet womöglich der Knaller gewesen - vermutlich geometrisch einwandfrei und wenn ich mich recht erinnere hatte der auch nicht die anfälligen Keramiklager, Aber damals war mir die Sache zu heiß und obskur. Hätte, hätte, Fahrradkette.
Hier ein Handyfoto meines ganz in schwarz gehaltenen Zeus, sorry für die mittelmässige Qualität.
Ein Freund hat den Zeus mit hellem Vogelaugenahornfurnier und schwarzer Deckplatte, meinem Empfinden nach eine der schönsten Varianten.
Zeus, Hermes, Apollon und Menemosyne
Offenbar gab es bei Mythology mehrere Laufwerke mit etwas unterschiedlichen Konzepten.
Der Hermes war das Einsteigermodell mit einer massiven Zarge und ohne Subchassis. Auch er eher eigenständig, kein wirkliches Masselaufwerk aber doch deutlich substantieller als beispielsweise ein Rega.
Noch rätselhafter ist der Apollon. Er scheint extrem selten zu sein und wird von Kennern als nochmals höher positioniertes Laufwerk eingeschätzt. Das schwarze Gerät ist selbst in älteren Diskussionen nur schwer anhand von Fotos zu identifizieren. Ich habe selber leider noch nie einen gesehen oder gehört und in welchen Punkten es dem Zeus technisch überlegen war, ist bislang kaum dokumentiert.
Daneben steht die geradezu legendäre Mnemosyne, Lothar Langes offenbar ebenfalls in sehr kleiner Stückzahl (ca 55 Stück ?) gebaute Röhrenvorstufe. Die Berichte langjähriger Besitzer sind bemerkenswert, und gebrauchte Exemplare tauchen ausgesprochen selten auf. Die Besitzer sind offenbare seit Jahrzehnten „angekommen“. Auch sie gehört für mich zur Geschichte dieser kleinen Manufaktur.
Zusammengenommen entsteht das Bild eines Herstellers, der sich nicht auf ein einziges Bauprinzip beschränkte, sondern eigenständige Laufwerke und Elektronik entwickelte – offenbar mit einem hohen Anteil an Handarbeit und individuellen Lösungen.
Ist der Zeus heute noch up to date?
Der Zeus wird in älteren Hörerberichten ausgesprochen positiv beurteilt. Einzelne Besitzer stellen ihn auf eine Stufe mit deutlich bekannteren Laufwerken oder sehen ihn diesen sogar überlegen. Solche Aussagen sind natürlich subjektive Hörerfahrungen und keine objektiven Belege. Sie machen aber neugierig darauf, was hinter der Konstruktion steckt.
Nach meiner Einschätzung ist ein Zeus in gutem Zustand auch heute noch ein ernst zu nehmender Plattenspieler, klanglich nach wie vor auf sehr hohem Niveau und, richtig gewartet, auch ein ausgesprochener Langläufer und auch gebraucht durchaus interessant. Wenn man auf einige Dinge achtet, kann unter Umständen sogar ein nicht mehr funktionsfähiges Exemplar von einem einigermaßen versierten Bastler durchaus wieder flott gemacht werden. Aus meiner Sicht sollten folgende Punkte beachtet werden, die womöglich sonst zu Frust führen können:
Ich würde mich über eine Beteiligung an diesem Thread sehr freuen, vor allem von Besitzern und Kennern der Mythology Produkte, die vielleicht über zusätzliche Informationen verfügen.
Auch Fotos von der Unterseite, dem Subchassis, dem Motor, der Steuerung und den verschiedenen Tonarmbasen wären ausgesprochen hilfreich.
Mir geht es ausdrücklich nicht darum, aus einem seltenen Gerät nachträglich eine Legende zu machen. Vielmehr möchte ich in diesem Thread die tatsächlich vorhandenen Informationen sammeln, Aussagen von Besitzern sowie gesicherte technische Fakten und möglichst viel von diesem offenbar weitgehend vergessenen Stück deutscher HiFi-Geschichte dokumentieren.
Ich freue mich über jeden Hinweis, auch wenn er zunächst nur ein kleines Puzzleteil liefert!
Liebe Grüße
Manfred
Über den Linn LP12, Thorens, Platine Verdier und viele andere klassische Laufwerke findet man heute umfangreiche Informationen, technische Dokumentationen und unzählige Erfahrungsberichte. Bei einem anderen Laufwerk, das offenbar ebenfalls eine besondere Stellung in der deutschen High-End-Szene hatte, sieht das etwas anders aus: dem Mythology Zeus von Lothar Lange.
Obwohl es noch Besitzer und gelegentlich auch Gebrauchtangebote gibt, sind verlässliche technische Informationen erstaunlich rar. Alte Forenbeiträge liefern einzelne Hinweise, aber ein zusammenhängendes Bild der Konstruktion, der verschiedenen Ausführungen und der Geschichte des Herstellers lässt sich bislang kaum finden.
Das möchte ich gern ändern und hier Informationen zusammentragen. Vielleicht gibt es noch ehemalige Besitzer, Händler oder andere Zeitzeugen, die etwas zur Geschichte dieses ungewöhnlichen Laufwerks beitragen können.
Was mir über den Zeus bekannt ist
Der Zeus ist ein riemengetriebener Subchassis-Plattenspieler, der von Lothar Lange unter dem Markennamen Mythology entwickelt und in kleiner Stückzahl gebaut wurde. Klanglich machte er damals vor allem im Stuttgarter Raum und bei den wenigen Mythology Händlern ziemlich Furore, da er im klanglichen Vergleich mit den damaligen Platzhirschen wie Linn LP12 und sogar Platine Verdier wohl für einige nachdenkliche Gesichter sorgte und dabei noch einigermaßen bezahlbar blieb.
Die Optik ist völlig klassisch und erinnert an Player wie eben den LP12 oder auch die Thorens TD160 Reihe. Rein optisch wohlgemerkt, technisch hatte der Zeus mit dem Linn außer dem Motor nicht allzuviel gemein, mit den günstigen Thorens Drehern noch viel weniger.
Die Konstruktion geht nämlich einen durchaus eigenständigen Weg.
Anders als bei vielen klassischen Subchassis-Laufwerken findet man beim Zeus ein extrem stabiles, aber leichtes Subchassis in Form eines Kreuzes aus 2 verschweissten Alu-Rechteckprofilen. Dazu kommt ein schwerer, gedrehter Aluminiumteller, dessen Gewicht etwa 3,5 kg beträgt und der klassisch über einen Riemen angetrieben wird.
Das ergibt eine interessante Kombination: ein entkoppeltes Subchassis, aber gleichzeitig eine vergleichsweise massive Konstruktion, die auf maximale Steifigkeit ausgelegt. Der Zeus ist also weder ein typischer leichter Subchassis-Spieler noch ein klassisches Masselaufwerk.
Die Zarge besteht aus einem sehr stabilen, massiven Holzrahmen, der in verschiedenen Holzarten lieferbar war sowie einem Boden der als eine Art Wanne aus stabilem Aluprofil und Blech fest vernietet ist. Oben ist eine Alu-Deckplatte eingepasst, die in schwarz oder alufarben lieferbar war.
Das Laufwerk steht auf 4 sehr massiven, feinfühlig höhenverstellbaren Stahlfüssen die unten eine Art Spike als Auflage haben.
Die Federung besteht aus 3 kegelförmigen Schraubenfedern, die durch ein Gummiformteil mit dem Subchassis verbunden sind und unten auf einer in die Bodenplatte integrierte, von außen zugänglichen Höhenverstellung aufliegen.
Die erstmalige Justage des Subchassis ist ziemlich diffizil weil sie von vielen Faktoren abhängt. Ist sie jedoch einmal korrekt erfolgt, ist sie (im Gegensatz zum damaligen Hauptkonkurrenten) absolut langzeitstabil. Kleine Änderungen wie ein zusätzliches Gewicht durch z.B. eine schwerere Tellerauflage lassen sich recht einfach über die Höhenverstellung anpassen. Dabei sollte der Plattenteller bei aufliegender Platte absolut parallel zur Deckplatte sein und bei kontrolliertem Antippen des Subchassis frei und möglichst kolbenförmig nachschwingen.
Das Lager besteht aus einer polierten Lagerachse, die in einer Teflonbuchse läuft. Nach dem richtigen Öl gefragt, meinte Lothar Lange mal dass man einfach ein paar Tropfen normales Motoröl nehmen soll.
Der Plattenteller wiegt ca. 3,5 kg, die Lagerachse ist in eine entsprechend eng tolerierte Buchse eingepresst, konnte aber vom Hersteller getauscht werden. Der Teller ist einteilig, von unten ist eine Nut eingefräst, in der der Motorpulley und der Riemen Platz finden. An der äußeren Kante der Nut ist eine Art Bitumenstreifen zur Bedämpfung des Tellers eingeklebt. Serienmäßig wurde der Zeus mit einer schwarzen Filzmatte geliefert, bei meinem habe ich die durch die weiße DNM/Reson Filzmatte ersetzt.
Als Motor kommt ein Synchronmotor von Airpax mit 110 V, 50 Hz und 250 U/min zum Einsatz, der konsequenterweise in der Zarge moniert ist. In der Standardversion wurde der Motor über einen einfachen passiven Phasenschieber angesteuert der aus Widerständen und einem Kondenstaor besteht, damit sind nur 33⅓ U/min möglich. Gegen Aufpreis gab es eine elektronische Motorsteuerungen mit Umschaltung zwischen 33⅓ und 45 U/min.
Bei den mir bekannten Exemplaren ist ein rudimentäres axiales „Hilfslager“ in Form einer Nylon-Schlitzschraube montiert, die von unten durch ein Loch in der Bodenwanne zugänglich ist. Sollte der Motor brummen oder schleifende Geräusche verursachen, kann durch eine feinfühlige Justage der Schraube die Höhe auf minimale Geräuschentwicklung eingestellt werden, im Idealfall (nahezu) unhörbar.
Der Pulley ist massiv aus Alu gedreht und erlaubt nur eine Geschwindigkeit.
Der Tonarm Pan
Ein weiteres interessantes Detail ist der Tonarm Pan. Zum Zeus konnte der hauseigene Tonarm Pan hinzubestellt werden, eine OEM Version des geraden Jelco SA-250ST mit fester Headshell, aber in einer speziell für Mythology ausgeführten modifizierten Version mit besseren Lagern.
Der Zeus war aber nicht auf diesen Tonarm beschränkt. Üblich waren Kombinationen unter anderem mit dem Linn Ittok und Ekos, dem Zeta, dem Alphason HR-100 und dem Mission Mechanic, aber auch Rega. Da die Arme mit „Linn Geometrie“ und Rega unterschiedliche Distanzen zwischen Teller und Tonarmdrehpunkt erfordern, gab es konsequenterweise auch (mindestens) 2 verschiedene Subchassis-Kreuze.
Besonders interessant finde ich die Überlieferung, dass der Mission Mechanic Lothar Langes bevorzugter Tonarm gewesen sein soll.
Meine eigene Kombination
Ich besitze selbst einen Mythology Zeus mit Mission Mechanic und Lyra Lydian Beta.
Dieser har eine recht bewegte Vergangenheit. Gekauft habe ich ihn gebraucht von Stefan Strohmetz, der ihn eine Weile als Plattenspieler für Händler- und Messedemos seiner damals neu entwickelten Lautsprecher Probus verwendete. Damals war ein Rega RB300 montiert.
Im direkten Vergleich mit Stefans neuem Zeus mit Mechanic Tonarm und Goldring Excel Abtaster konnte meiner natürlich nur sehr bedingt mithalten, außerdem erlaubte die etwas „spezielle“ Montage des Rega Arms auf dem Zeus zwar eine Höhenverstellung, die war zwar mechanisch stabil, wirkte jedoch improvisierte und es war ein ziemliche Fummelei, Wiederholgenauigkeit Fehlanzeige. Geld war aber auch knapp, also kam als nächstes der Pan drauf. Den Umbau ließ ich damals von Stefan Strohmetz machen, der schnell zum Zeus Fachmann geworden war.
Es ging nicht lange und mir lief Mitte der 90er ein gebrauchter Mechanic über den Weg, der von einem Stuttgarter Händler in Kommission angeboten wurde und der Händler baute ihn dann auch ein. Eine finanziell fragwürdige Entscheidung, denn zum einen lag der Preis doch noch ziemlich hoch und zum anderen lief der nie so recht zufriedenstellend und schließlich musste ich mir eingestehen, daß der nicht nur einen Lagerschaden hatte (wie fast all Mechanic mit Keramiklager) sondern dass die Lageraufnahme auch geometrisch daneben war, der Arm hatte letztendlich einen vom Hersteller verursachten verstellten Azimuth von ca. 1,5 Grad. Vor nicht allzulanger Zeit nahm die Sache dann doch noch ein gutes Ende, denn Stefan Strohmetz war auch jahrelanger Tonarm Fachmann, besonders auch für den Mechanic und konnte mit seinem Maschinenpark neue, geometrisch korrekte Lageraufnahmen sowie neue Lager, die auch im StSt Tonarm Vertex eingesetzt werden, einbauen.
Seitdem klingt der Zeus endlich so wie er sollte. Vermutlich hätte ich das einfacher haben können, denn etwa zeitgleich mit dem originalen Mechanic wurde mir aus dem Dunstkreis des Herstellers der Mechanic und Zeta Tonarme ein handgefertigtes Einzelstück des Mechanic angeboten, der nicht aus Aluminium sondern aus einer Magnesiumlegierung gefertigt war. Das wäre nachträglich betrachtet womöglich der Knaller gewesen - vermutlich geometrisch einwandfrei und wenn ich mich recht erinnere hatte der auch nicht die anfälligen Keramiklager, Aber damals war mir die Sache zu heiß und obskur. Hätte, hätte, Fahrradkette.
Hier ein Handyfoto meines ganz in schwarz gehaltenen Zeus, sorry für die mittelmässige Qualität.
Ein Freund hat den Zeus mit hellem Vogelaugenahornfurnier und schwarzer Deckplatte, meinem Empfinden nach eine der schönsten Varianten.
Zeus, Hermes, Apollon und Menemosyne
Offenbar gab es bei Mythology mehrere Laufwerke mit etwas unterschiedlichen Konzepten.
Der Hermes war das Einsteigermodell mit einer massiven Zarge und ohne Subchassis. Auch er eher eigenständig, kein wirkliches Masselaufwerk aber doch deutlich substantieller als beispielsweise ein Rega.
Noch rätselhafter ist der Apollon. Er scheint extrem selten zu sein und wird von Kennern als nochmals höher positioniertes Laufwerk eingeschätzt. Das schwarze Gerät ist selbst in älteren Diskussionen nur schwer anhand von Fotos zu identifizieren. Ich habe selber leider noch nie einen gesehen oder gehört und in welchen Punkten es dem Zeus technisch überlegen war, ist bislang kaum dokumentiert.
Daneben steht die geradezu legendäre Mnemosyne, Lothar Langes offenbar ebenfalls in sehr kleiner Stückzahl (ca 55 Stück ?) gebaute Röhrenvorstufe. Die Berichte langjähriger Besitzer sind bemerkenswert, und gebrauchte Exemplare tauchen ausgesprochen selten auf. Die Besitzer sind offenbare seit Jahrzehnten „angekommen“. Auch sie gehört für mich zur Geschichte dieser kleinen Manufaktur.
Zusammengenommen entsteht das Bild eines Herstellers, der sich nicht auf ein einziges Bauprinzip beschränkte, sondern eigenständige Laufwerke und Elektronik entwickelte – offenbar mit einem hohen Anteil an Handarbeit und individuellen Lösungen.
Ist der Zeus heute noch up to date?
Der Zeus wird in älteren Hörerberichten ausgesprochen positiv beurteilt. Einzelne Besitzer stellen ihn auf eine Stufe mit deutlich bekannteren Laufwerken oder sehen ihn diesen sogar überlegen. Solche Aussagen sind natürlich subjektive Hörerfahrungen und keine objektiven Belege. Sie machen aber neugierig darauf, was hinter der Konstruktion steckt.
Nach meiner Einschätzung ist ein Zeus in gutem Zustand auch heute noch ein ernst zu nehmender Plattenspieler, klanglich nach wie vor auf sehr hohem Niveau und, richtig gewartet, auch ein ausgesprochener Langläufer und auch gebraucht durchaus interessant. Wenn man auf einige Dinge achtet, kann unter Umständen sogar ein nicht mehr funktionsfähiges Exemplar von einem einigermaßen versierten Bastler durchaus wieder flott gemacht werden. Aus meiner Sicht sollten folgende Punkte beachtet werden, die womöglich sonst zu Frust führen können:
- welcher Tonarm ist montiert? Innerhalb der Linn Geometrie sollte ein Tonarmwechsel recht einfach möglich sein durch Tausch der Basisplatte, die ja mit dem Arm mitgeliefert wird. Die Basisplatte wird mit einer Art großen Mutter über 3 Schrauben verschraubt, diese Befestigung ist in der Welt der Linn Geometrie einheitlich, so zumindest meine Vermutung. Dann wird die Basisplatte mit der „Mutter“ auf ein fest im Subchassis eingepasstes Gewinde leicht handfest verschraubt. Zwischen Mutter und Subchassis ist eine Gummiplatte, die erlaubt dass der Arm in Ruheposition auch parallel zur rechten Zargenkante steht.
Achtung: Ein Wechsel zwischen Rega und Linn Geometrie ist aber nur durch Tausch des gesamten Subchassis möglich! Diese sind aber extrem schwer aufzutreiben.
- Prüfen, ob das das Tellerlager ok ist. Nach Abnehmen des Tellers sollte die Lagerachse an der Auflagestelle nicht sichtbar eingelaufen sein. Die Achse ist mit dem Teller verpresst, ein Tausch der Achse würde eine Neufertigung der Achse und großes feinmechanisches Know how beim Tausch erfordern.
- wenn die originale Motorsteuerung eingebaut ist, geht die Wahrscheinlichkeit gegen 100%, dass diese bereits defekt ist oder in absehbarer Zeit den Geist aufgibt. Mit etwas bastlerischem Geschick kann die Steuerung aber ohne großen Kostenaufwand durch einen passiven Phasenschieber ersetzt werden, wodurch jedoch die 45er Geschwindigkeit entfällt. Theoretisch kann die Steuerung aber auch durch eine andere, für 110 V Synchronmotoren geeignete ersetzt werden. (Hercules Board, eine geeignete von Dr. Fuss….)
- Falls beim Anlauf oder Plattenwechsel der Riemen trotz waagerechter Aufstellung und korrekter Subchassis Justage abspringt, ist er ausgeleiert. Ein Ersatz sollte heutzutage kein Problem darstellen, da es Standard-Flachriemen in allen möglichen Längen gibt. Da ich noch Original Riemen habe und noch nicht nach Ersatz Ausschau halten musste, kann ich die genaue Länge aber leider so ad hoc nicht nennen.
- Noch ein Hinweis für Bastler:
Da die Bodenwanne vernietet ist, kommt man von unten nicht an das Innenleben des Zeus heran. Dies ist nur über die Deckplatte möglich. Nach Abnehmen des Tellers sieht man 3 Schrauben die herstellerseitig mit Plastikkappen „getarnt“ sind. Nach Entfernen der Kappen kann man die 3 Holzschrauben herausdrehen - die Deckplatte sitzt aber dann immer noch fest, da sie rundum an der Kante mit einem doppelseitigen Klebeband mit der Zarge verklebt ist. Man muss die Deckplatte also vorsichtig rundum lösen um sie abnehmen zu können.
Ich würde mich über eine Beteiligung an diesem Thread sehr freuen, vor allem von Besitzern und Kennern der Mythology Produkte, die vielleicht über zusätzliche Informationen verfügen.
- Geschichte: Wann wurde der Zeus entwickelt, wann gebaut und wie lange war er erhältlich?
- Stückzahlen: Gibt es Schätzungen zur Gesamtproduktion oder zu einzelnen Versionen?
- Details zur Konstruktion: Tellergewicht und -durchmesser, Lageraufbau, Subchassis, Federung und Zarge.
- Details zu Motorsteuerungen aus? Gab es tatsächlich unterschiedliche Steuerungsgenerationen? Welche Alternativen wurden schon erfolgreich eingesetzt?
- Gibt es Varianten?
- Vergleiche: Hat jemand Zeus und Hermes oder Zeus und Apollon direkt miteinander verglichen? Gibt es zeitgenössische Hörtests oder Messungen?
- Dokumentation: Existieren noch Prospekte, Bedienungsanleitungen, Schaltpläne, Händlerunterlagen oder originale Fotos der Innenkonstruktion?
- Lothar Lange: Wer kannte ihn persönlich oder hat damals mit ihm zusammengearbeitet?
Auch Fotos von der Unterseite, dem Subchassis, dem Motor, der Steuerung und den verschiedenen Tonarmbasen wären ausgesprochen hilfreich.
Mir geht es ausdrücklich nicht darum, aus einem seltenen Gerät nachträglich eine Legende zu machen. Vielmehr möchte ich in diesem Thread die tatsächlich vorhandenen Informationen sammeln, Aussagen von Besitzern sowie gesicherte technische Fakten und möglichst viel von diesem offenbar weitgehend vergessenen Stück deutscher HiFi-Geschichte dokumentieren.
Ich freue mich über jeden Hinweis, auch wenn er zunächst nur ein kleines Puzzleteil liefert!
Liebe Grüße
Manfred

