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Weltpremiere Röhrenvorstufe Makroaudio Proxium Pre
#71
Tja,

nun stimmt eigentlich die Überschrift des Threads nicht mehr von wegen: Röhrenvorstufe........

die Proxium Pre läßt sich nicht festlegenSmile

Ich habe in den letzten Wochen eine kleine Ohren-Odyssee hinter mir, die mich mehr über Röhren, Halbleiter und meine eigene Hörwahrnehmung gelehrt hat, als ich erwartet hätte. Eigentlich wollte ich mir mit der Röhren‑Vorstufe etwas Gutes tun – ein bisschen Retro‑Charme, ein Hauch Wärme, dieses berühmte „goldene Leuchten“, das man Röhren so gerne nachsagt. Und tatsächlich: Die ersten Tage klang das alles wunderbar. Ein bisschen wie ein Kaminfeuer, das im Hintergrund knistert.

Doch wie so oft im Leben zeigt sich die Wahrheit erst, wenn die erste Verliebtheit verflogen ist. Nach ein paar Wochen begann sich der Klang zu verändern. Ganz langsam, fast unmerklich zuerst, dann immer deutlicher. Gitarren, die anfangs noch seidig wirkten, begannen mich anzuschreien, wenn ich lauter hören wollte. Der Präsenzbereich zwischen zwei und sechs Kilohertz – der Bereich, in dem Gitarren ihre Seele haben – wurde immer aggressiver, desto lauter ich hörte. Was vorher Offenheit war, wurde Schärfe. Was vorher Glanz war, wurde Härte. Und irgendwann merkte ich, dass ich nach längeren Sessions regelrecht Ohrenschmerzen bekam. Das war kein audiophiler Spleen, sondern ein körperliches Signal.

Im Nachhinein ist klar, warum das passiert ist. Röhren sind keine abstrakten Bauteile, sie sind kleine mechanische Lebewesen. Sie schwingen, sie driften, sie reagieren auf Temperatur, auf Vibrationen, auf die Laune des Raumes. Mikrofonie ist kein Mythos, sondern ein ständiger Begleiter. Und ich höre gerne laut – richtig laut. Dazu kam, dass ich den rund 60 Kilo schweren Emitter  aus dem Zimmer rausnahm, die Via‑Blue‑Basen entfernte und die Proxium Kombi ins Rack stellte, wo früher der Emitter thronte. Dort herrscht deutlich mehr Körperschall. Was vorher noch im grünen Bereich war, wurde plötzlich zum Problem. Die Röhre stand wie ein Stimmgabel im Orchestergraben und hat jede Vibration dankbar in noch mehr Präsenzbereich verwandelt. Man könnte sie mit Gummiringen – Röhrendämpfern – etwas beruhigen, aber das ändert nichts daran, dass Röhren im Kern empfindliche, mechanische Systeme sind.

Der Wendepunkt kam, als ich die Vorstufe herausnahm und direkt mit dem ADI‑2 in die Endstufe ging. Plötzlich war alles wieder stimmig. Kleiner, ja – aber sauber, ruhig, kontrolliert. Das war der Moment, in dem ich wusste: Die Röhre ist nicht mein Weg. Also habe ich auf die Halbleitermodule umgerüstet. Und was soll ich sagen: Die ersten Stunden waren ein Traum. Schwarz wie ein Neumondhimmel, klar wie Bergluft, der Bass präzise wie ein Skalpell. Ich habe den ganzen Tag und die halbe Nacht gehört.

Doch dann kam der Einspielteufel. Er kam nicht leise, er kam mit Stiefeln. Das Klangbild wurde dunkler, der Bass schwamm, wummerte, brubbelte. Hans Zimmer in Krakau klang plötzlich wie ein Orchester im Moor bei Nebel. Ich kenne dieses Verhalten von früher an meinen ASR Emittern, wenn man neue Operationsverstärker einsetzt und einspielt – die ersten Tage sind ein Auf und Ab, ein Pendeln zwischen Genie und Wahnsinn. Und genau so war es auch hier.

Heute, nach rund 25 Stunden Laufzeit, hat sich das Bild wieder beruhigt. Der Bass ist zurück, knallhart und kontrolliert. Der Hochton ist eine Wonne. Nur eines fehlt mir noch ein wenig: diese Luftigkeit zwischen den Instrumenten, diese Größe, dieses Strahlen, das ich schon einmal hatte, als die Proxium Kombi mitten im Zimmer auf Via Blue Basen stand. Im Moment klingt alles wunderschön, aber noch nicht ganz so frei und selbstverständlich, wie ich es kenne. Vielleicht muss sich das Modul noch weiter setzen. Vielleicht muss ich wieder vom Via‑Blue S1 auf das Mogami 2534 zurück. Das Mogami war früher bunter, lebendiger – aber das war, bevor ich die Geräte ins Rack gestellt habe. Seitdem klang es dünn und hell, und das Via‑Blue hat wieder gepunktet. Das ist nunmal ein Kabel, daß eher rund als neutral klingt. Es kann gut sein, dass sich das jetzt alles mit der Halbleiterlösung erneut verschiebt.

Ich weiß noch nicht, wohin genau die Reise führt. Aber ich weiß, dass ich jetzt auf dem richtigen Weg für meine ausgeleierten Watschelohren bin. Die Röhre hat mir nicht Wärme geschenkt, sondern Schärfe. Der Transistor schenkt mir Ruhe, Kontrolle und Entspannung. Es fehlt nur noch ein kleines i‑Tüpfelchen etwas mehr Luft zwischen den Ereignissen– und ich bin gespannt, wann und wo es auftaucht. Das ist mal wieder Gejammer auf Kellerkindniveau - der Irre, der die eierlegende Wollmilchsau sucht - ich trau das der Makroaudio Kombi zu.

Also - jetzt erstmal weiter einspielen und Spaß haben -

dann bei Bedarf nochmal Signalkabel switchen, evtl. die dicke Gummimatte unter der Pre durch Rest Platten oder ähnliches Zeug ersetzen, kistenweise Spikes, Pucks dürften noch irgendwo rumfliegen- und auch mal schauen, ob das Sahneteil auf Stromstrippen reagiert, was auf Grund der internen Filterung aber eher unwahrscheinlich ist.

Hier läuft gerade von der neuen Autumns Child: Lovesong Und das zündet wie SauSmile  Überhaupt zündet der ganze Rockkram heute nachmittag ohne Ende - da bin ich jetzt schon auf der höchsten Klangpalme von Eden - aber bei Orchester und Jazz - da geht noch was- an Emotion.

Ich bin jetzt über Feiertage, Geburtstage und Hörbesuche ziemlich busy -

also nicht jammern, falls ich nicht jeden Tag schreibe, wie es weiter ging.

Lauthörern oder Rockhörern würde ich jetzt schon empfehlen wollen - checkt das Transistormodul - der Eugen leiht euch die bestimmt mal aus, sobald er die erste Fuhre fertig hat .

Soweit Wasserstand heute ihr Lieben!
Meine Katze ist schon 11 Jahre alt und arbeitet noch analog als Verbrenner auf Milchbasis! Big Grin
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#72
Danke für den Wasserstand. 

Wenn ich das richtig verstanden habe, ist das Röhrenmodul bei Dir abgeschrieben oder kommt nochmals ein Vergleich?  Keine Ahnung
Grüße Michael 
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#73
(04.04.2026, 10:39)Adaptor schrieb: Danke für den Wasserstand. 

Wenn ich das richtig verstanden habe, ist das Röhrenmodul bei Dir abgeschrieben oder kommt nochmals ein Vergleich?  Keine Ahnung

Hallo Michael,

in der Tat, bei meinen Hörpräferenzen und Lautsprechern im Keller ist die Röhrenlösung abgefrühstückt.

Die Halbleiter bleiben hier gesetzt.

Konnte heute nochmal reinhören - die Luft kommt nun auch, mehr Speed als gestern ist auch vorhanden, die Tonalität ist einfach korrekter als mit der Röhre.

Wobei ich mich nicht so weit aus dem Fenster lehne und sage, daß die Röhre schlechter ist -
das ist aus meiner Sicht eher was zum leiseren Hören -

ob ich die Halbleiter an der Max 1 an meiner anderen Kette bei den dort gefahrenen niedrigen Pegeln auch präferieren würde, kann ich nicht sagen -

da muß jeder mit probieren selber durch.

Und das wird wohl bald möglich werden. 
Eugen schrieb mich gestern trotz Urlaub und Karfreitag an,
das Halbleitermodul was ich hierhabe ist ein Prototyp - es wird wohl bald ein noch besseres Seriengehäuse geben, technisch bleibt alles wie ich es hier erlebe.

Und jetzt das Osterei für die Proxium Pre Besitzer, ich dachte, ich lese nicht richtig :

Eugen plant die Halbleiterversionen, sobald die Seriengehäuse fertig sind, allen Proxium Pre Besitzern nachzuliefern!

Und das KOSTENLOS!!!!!!!!!

Na, schon mal so einen Hersteller erlebt? Ich nicht.
Ich weiß, warum ich den Mann liebe!

(und nicht nur die Produkte)

Wink
Meine Katze ist schon 11 Jahre alt und arbeitet noch analog als Verbrenner auf Milchbasis! Big Grin
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#74
Da freue ich mich schon drauf.
Eugen hatte es bei meiner Bestellung bereits mit angedeutet daß das Transistor Modul nachgeliefert und inclusive ist.

Ich bin aber nach wie vor mit meiner "Röhren Ausführung" zufrieden. Testen werde ich es bei Gelegenheit trotzdem.

Grüße Hans
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#75
Morjen morjen,

bei mir gibts auch wieder neue Wasserstandsmeldung, damit ich nicht alles doppelt formulieren muß-
hier auszugsweise in Kopie, was ich heute morgen dem Eugen mitteilte:

Zitat mich selbst heute in der Frühe, während Kater Leon draußen die Osterhasen aus dem Fenster beobachtet und sich fragt, warum die den Garten umbuddeln: Kicher

Morjen morjen Eugen,

gerne mal wieder der neue WasserstandSmile

An Tag 3 tat sich so Einiges!

Und das hab ich auch so erwartet - hab das zigmal an anderen Bauteilen in Geräten durch.


Und auch schon in Blindtest mit OP s an identischen amps eruiert, weil ich dachte, ich spinne.

(hatte in Spitzenzeiten 4 identische ASR Emitter 2!!! im Hause)

Gestern abend - nach einigen diesmal zum Glück nur noch kleineren Schwankungen über Tag - machten die Module richtig auf, Klangfarben und Glanz gesellten sich endlich vermehrt dazu

und es distanzierte sich klar von dem, was ich an Klangfarben von Emotiva her kenne, wo ich gestern noch den Klangfarbenvergleich schilderte -nicht den des Gesamtsounds - da ist deine Vorstufe wesentlich agiler und explosiver.

Gestern nacht dann wieder den Soundtrack von The Madison gecheckt - ggü. dem Vorabend kaum wieder zu erkennen, die Violinen klingen nicht mehr "gesampelt" oder "steril""sondern leben und weinen aus tiefster Trauer.

Klasse! Auch sonst gesellte sich viel "Luft" dazu wie auch Emotion. Nun ist das absolut auch Klassik und jazztauglich! Hans Zimmers Orchester ist nun auch sauber durchstrukturiert.


Ich schreib auf jeden Fall in den Foren, die Leute sollen, ähnlich wie bei einer Röhre - nicht nach dem Umstöpseln urteilen - sondern die Kiste mindestens 3 Tage braten lassen.

Im Prinzip ist das nach 3 Tagen fast das Gegenteil von dem, was man am ersten Tag zu hören bekommt -

und nun kommt es - jetzt korreliert das mit deinen Meßdaten - es klingt vom Character extrem ähnlich (auf normalen Lautstärken würde ich es wohl im Blindtest nicht unterscheiden können) wie mit den Röhren.

Das bedeutet für mich leider aber auch - daß der Frequenzbereich von 3-8 khz ordentlich Dampf unter der Haube hat !

Jedoch hier ohne den Nachteil, den ich vorher bei den Röhren hatte, daß wenn ich lauter drehte (beginnend ab ca 95 db am Hörplatz) - es förmlich geschrien hat und sich das dort verstärkte bis ca. 6 khz hoch.

Auch habe ich nicht mehr das unterschwellige Gefühl von Verzerrung beim Gas geben oder leicht einknickenden Bass . Im Prinzip klingts jetzt wie mit den Röhren, nur oebendrein massiv lauthörfähig und körperschallresistent.


Ich vermute, daß das jetzt schon der recht finale Klang ist, da er dem entspricht, was du prognostiziert hast - von wegen blind vermutlich nicht zu unterscheiden.

Für mich bleibt jetzt eine Problematik, mit der ich mich arrangieren muß - oder schlichtweg die Vorstufe an ein anderes Equipment hängen muß, wo sie besser paßt.

Deutsche Film Synchros geraten recht schnell ins Zischen bei 6 hhz, weil die dort eh immer mit Vitalizern und ähnlichen Geräten wegen der Sprachverständlichkeit aufreißen.

Es liegt anscheinend am Prinzip des Masteringideals in den Synchronstudios , was man in Deutschland präferiert, ich rege mich da schon seit Jahrzehnten drüber auf und suche mir immer Elektronik und/oder Lautsprecher zusammen, die das etwas wegbügeln.

Gehe ich direkt vom Wandler in die Proxium V 2 Endstufe kommt das derzeit etwas weicher und unauffälliger - mehr WernertauglichSmile

ich beobachte das und werde ggf. noch mit Stromkabel (sehr gute Erfahrungen machte ich mit dem X 40 von Via Blue, daß High Ender immer als etwas "matschig" in dem Bereich bezeichnen- nutzte ich auch den Emittern, muß ich aber erst umkonfektionieren lassen von 20 VA auf 16 VA Kaltgerätestecker) herumexperimentieren- und natürlich Signalkabel- wobei ich hier immer noch das neue Via Blue S 1 einspiele, die brauchen leider erfahrungsgemäß Wochen, bis die homogen im Hochton werden. Da bin ich damals in Foren oft ausgelacht worden, bis dann haufenweise andere User und auch ein Händler dieselben Rückmeldungen auf den Tisch brachten.

Von meiner Seite aus kann ich dir nur sagen, das paßt schon was du da kredenzt hast.

ich selber wollte nie mehr auf klassische Vorstufe gehen, erlebte jahrzehntelanges Elend und Probleme mit Vor-Endstufen - aber du schreibst meine Geschichte ja neu - mit deinen Produkten, da hab ich es gewagt. In dich konnte ich das Vertrauen setzen - sonst niemanden!

Was mich angeht, ich schaue halt, daß ich den Präsenzbereich mit dem EQ etwas besänftigt kriege - dann wird das schon passen.

So und nun schönen Ostersonntag und danke nochmal

Zitat Ende

Euch auch allen einen schönen Ostersonntag - ich werde wohl heute mal Schlaf nachholen und schicke meine Frau mit Freundin alleine auf irgendso ne Messe............
Meine Katze ist schon 11 Jahre alt und arbeitet noch analog als Verbrenner auf Milchbasis! Big Grin
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#76
(04.04.2026, 16:06)Kellerkind schrieb:
(04.04.2026, 10:39)Adaptor schrieb: Danke für den Wasserstand. 

Wenn ich das richtig verstanden habe, ist das Röhrenmodul bei Dir abgeschrieben oder kommt nochmals ein Vergleich?  Keine Ahnung

Hallo Michael,

in der Tat, bei meinen Hörpräferenzen und Lautsprechern im Keller ist die Röhrenlösung abgefrühstückt.

Die Halbleiter bleiben hier gesetzt.

Konnte heute nochmal reinhören - die Luft kommt nun auch, mehr Speed als gestern ist auch vorhanden, die Tonalität ist einfach korrekter als mit der Röhre.

Wobei ich mich nicht so weit aus dem Fenster lehne und sage, daß die Röhre schlechter ist -
das ist aus meiner Sicht eher was zum leiseren Hören -

ob ich die Halbleiter an der Max 1 an meiner anderen Kette bei den dort gefahrenen niedrigen Pegeln auch präferieren würde, kann ich nicht sagen -

da muß jeder mit probieren selber durch.

Und das wird wohl bald möglich werden. 
Eugen schrieb mich gestern trotz Urlaub und Karfreitag an,
das Halbleitermodul was ich hierhabe ist ein Prototyp - es wird wohl bald ein noch besseres Seriengehäuse geben, technisch bleibt alles wie ich es hier erlebe.

Und jetzt das Osterei für die Proxium Pre Besitzer, ich dachte, ich lese nicht richtig :

Eugen plant die Halbleiterversionen, sobald die Seriengehäuse fertig sind, allen Proxium Pre Besitzern nachzuliefern!

Und das KOSTENLOS!!!!!!!!!

Na, schon mal so einen Hersteller erlebt? Ich nicht.
Ich weiß, warum ich den Mann liebe!

(und nicht nur die Produkte)

Wink

Hallo Werner,

das ist ja wirklich ein schönes Ostergeschenk und so etwas habe ich noch von keinem Hersteller gehört. Dann wünsche ich Dir weiterhin entspanntes Hören…

Ein Freund von mir hat vor 6 Jahren ein AVM CS 8.2 gekauft und so einige Updates bis zur heutigen Version gemacht. Er hat dafür mehrere T€ ausgegeben. Die lassen sich da jede Schraube teuer bezahlen…
Grüße Michael 
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#77
Noch etwas, weil ich gestern berichtete, daß die Proxium Pre ordentlich Dampf hat im Präsenzbereich - wegen Filmen, wo das auffällt:

Das führt zu einem Themenbereich, der mir seit Jahren im Ohr und auf der Pelle liegt, aber in HiFi‑Kreisen erstaunlich selten offen diskutiert wird. Es geht um etwas, das viele von uns kennen, aber kaum jemand wirklich einordnen kann: Warum klingen so viele deutsche Filmsynchronisationen im Präsenzbereich und bei S‑Lauten so scharf, zischelig oder „angespitzt“ – und warum fällt das auf neutralen, hochauflösenden Anlagen plötzlich gnadenlos auf?

Da kommen wir zur Proxium Pre. Eine Vorstufe, die nichts beschönigt, nichts rundet, nichts kaschiert. Sie reicht einfach linear durch. Und genau dadurch hört man Dinge, die man mit wärmeren Geräten (bei mir jahrzehntelang die ASR Emitter) elegant runtergeschmeichelt bekam. Damit kein falscher Eindruck entsteht: Die Proxium Pre betont nicht den Präsenzbereich. Sie zeigt nur, was wirklich auf der Tonspur drauf ist. Und das ist bei deutschen Synchros oft… sagen wir mal: interessant.

Das Problem sitzt nicht in der Anlage, sondern im Mastering der deutschen Sprachspur. Und das hat mehrere Gründe, die man kennen sollte, bevor man seine Elektronik verdächtigt.

Der erste Punkt ist die deutsche Sprache selbst. Deutsch hat mehr harte Konsonanten, mehr Zischlaute, weniger Brustresonanz und weniger Vokalkörper als Englisch. Englisch ist von Natur aus runder, körperhafter, weicher. Damit deutsche Sprache auf Fernsehern verständlich bleibt, wird im Studio fast immer der Bereich 3–4 kHz (Präsenz) und 5–7 kHz (Zischlaute) angehoben. Das ist kein Fehler, sondern Absicht. Und es ist seit Jahrzehnten Standard.

Der zweite Punkt: Deutsche Synchros werden nicht für High‑End‑Anlagen gemischt, sondern für Fernseher. Und TV‑Lautsprecher haben nun mal keinen klar konturierten Bass, keine großartige Bühne, keine Luftigkeit. Damit Sprache dort Authentizität erhält, wird der Präsenzbereich künstlich „aufgehellt“. Auf einer neutralen Anlage klingt das dann schnell hart, dünn oder zischelig. Auf einem Emitter oder einer warm abgestimmten Röhre und gutmütigen Lautsprechern (meist Kalotten) fällt das weniger auf. Auf einer neutralen Vorstufe wie der Proxium Pre hört man es sofort.

Der dritte Punkt ist ein Klassiker in deutschen Studios: der SPL Vitalizer und ähnliche Exciter. Diese Geräte sind in der Synchronbranche so verbreitet wie Kaffee. Sie machen Stimmen „klarer“, „durchsetzungsfähiger“ und „brillanter“. Für TV super. Für High‑End oft zu viel des Guten. Viele Tonmeister sprechen offen darüber – das ist ein Werkzeug, kein Fehler. Aber es erklärt, warum deutsche Synchros oft schärfer wirken als englische Originalspuren.

Und dann gibt es noch einen vierten Punkt, den viele gar nicht kennen: Die alten DEFA‑Synchros aus der DDR. Die wurden für Kinos gemischt, nicht für Fernseher. Keine Exciter, keine künstliche Brillanz, keine übertriebene Präsenz. Warm, körperhaft, natürlich. Viele dieser alten Synchros klingen heute angenehmer als moderne Produktionen. Das ist kein Nostalgieeffekt, sondern schlicht eine andere Tonmeister‑Philosophie.

Wenn man all das weiß, versteht man plötzlich, warum manche Filme auf einer neutralen Anlage „nerven“, während die englische Originalspur völlig entspannt klingt. Und warum eine Vorstufe wie die Proxium Pre nicht „zu viel Präsenz“ macht, sondern einfach nur ehrlich ist.

Was kann man dagegen tun? Ich habe viel experimentiert und bin zu einer Lösung gekommen, die bei mir hervorragend funktioniert, ohne die Musik zu ruinieren. Eine leichte, breitbandige Absenkung von 1,5 db mit Q 0,7 um 4,2 kHz nimmt die Härte raus, ohne Details zu verlieren. Eine kleine Korrektur bei 6,3 kHz von minus 1 db mit Q4 entschärft die Zischlaute, die besonders bei deutschen Synchros gerne überbetont sind. Und ein sanfter Lift bei 10–12 kHz(o,5 db reichen) bringt die Luftigkeit zurück, damit die Bühne offen bleibt. Das ist keine Hexerei, sondern schlicht Psychoakustik. Und es funktioniert.

Was man eher nicht machen sollte - ist eine harte Korrektur vornehmen im Zischbereich von 6 khz - da dies auch andere Informationen verdeckt, die nicht auf der Sprachspur drauf sind, Bekannte von mir gehen da gerne mit minus 3 bis minus 6 db (je nach Lautsprecher) heran - außerdem werden dann die drüber liegenden Frequenzen bei 8 khz als Pfeiftöne in manchen Stimmen auffällig. Und dann macht man da auch ne große Delle, und voila- ist wie wenn man die Wirbelsäule operieren und versteifen läßt, der Druck und die Beschwerden wandeln zum nächsten Wirbel. Daher homöopathisch aber/und breitbandig herangehen.

Das führt zu einem angenehmen Kompromiß.

Ich hoffe, das hilft dem einen oder anderen, der sich schon immer gefragt hat, warum deutsche Stimmen manchmal „schneiden“, obwohl die Anlage eigentlich perfekt spielt. Es liegt nicht an der Elektronik. Es liegt an der Art, wie deutsche Sprachspuren gemischt werden. Und wenn man das weiß, kann man mit ein paar gezielten EQ‑Eingriffen sehr viel entspannter Serien schauen.

Das lag mir jetzt noch auf dem Herzen, schönen Tag euch allen!
Meine Katze ist schon 11 Jahre alt und arbeitet noch analog als Verbrenner auf Milchbasis! Big Grin
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#78
Dankeschön  für die ausführliche Beschreibung!

Ich bin dem Problem aus dem Weg gegangen, in dem ich mir vor Jahren (Umstellung Loewe Röhre auf Panasonic Plasma) von Canton ein Sound Deck kaufte. Damit wurde der Klang wesentlich erträglicher insbesondere bei Konzerten.
Grüße Michael 
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#79
Morjen Freunde,

was soll ich sagen - am besten ehrlich, wie es mir ergeht.

Die Proxium pre ist der Hammer - ich höre damit Details, die ich vorher nicht so genau raushören konnte.
Bei Filmsynchros kommen sogar Sachen hoch, die sonst unterhalb der Wahrnehmungsschwelle liegen.

Und dennoch - irgendwas zerrte mir schier am Hosenbein - und das war nicht Kater Leon.

Wenn ich mich so durch meine Mucke zappte -
so kriegte ich zwar mehr mit -
aber war nicht mehr bespaßt -
insbesondere beim Dream Theater Live Konzertvideo zum 40ten Bandjubiläum fiel mir auf,
der Fuß wippt nicht mit den Drums mit und ich konzentriere mich mehr auf die Räumlichkeit und Details und vor allen Dingen James La Brie s Stimme und den auferlegten Effekten.

Ich bestellte ja bei Amazon jetzt Stromsteckeradapter von C 13 zu C 20, damit ich mal die Via Blue X 40 anschiießen kann,
die sollten heute abend in der Post sein - und die Via Blue Viecher sind bekannt für viel Fell in den Drums und gnädigen - High Ender reden manchmal von matschigen -
Präsenzbereich - bei mir war das oftmals die Lösung - gerade an den ASR Emitter - ohne ging gar nicht, weil ich mit den Magic  Chords auf Dauer nie warm wurde.

Ansonsten steckte ich vorgestern die Vorstufe wieder raus und ging direkt in meine Proxium V 2 - schaltete den RME wieder aus Locked heraus in den Vorstufenmodus -
und muß sagen- es überwältigte mich.

Der RME Adi 2 direkt in die Proxium rein - das ist für mich passend wie Arsch auf Eimer.

Es wird alles grundtonlastiger, Film Synchros kriegen ihren "Teppichflow" vorm Kaminfeuer - selbst die angehobenen Höhen dort und Präsenzen werden nicht lästig, ähnlich, wie ich es von meinen ASR Emittern gewohnt war.  Und an der Proxium hängt nach wie vor nur irgendeine 30 Euro Stromstrippe von Amazon - ich glaube von Tertullus, bin mir aber nicht sicher.

Bei Dream Theater wandert mein Focus wieder in das Zusammenspiel von Bass und Drums - und konzentriert sich weniger auf den Gesang.

Das hört sich für mich wie ein anderes Mastering an, nicht im Sinne von besser oder schlechter, sondern im Sinne von anderen Prioritäten.

Die Proxium Pre arbeitet für mich wie ein Sänger, der am Mischpult sitzt, der RME eher wie ein Bassist oder Drummer.

Ich spreche da aus Erfahrung, da ich selber Gitarre und Bass spielte und ich jahrzehntelang mit dem Sänger und Keyboarder meiner Band die Mixes und Masterings zusammen erstellte und wir immer endlos diskutierten und unsere beiden Wunschvorstellungen zu einem Kompromiß zusammenstellen mußten.

Was ich als ganzheitlich sah - sah er als Bruchwerk und umgekehrt genauso.

Die Proxium V 2 mit dem RME Adi 2 entspricht eher meiner Herandgehensweise an Musik -
energetisch und federnd untenrum aber trotzdem noch trocken und definiert und natürliche Wärme in allen Lagen und ein in die Musik eingebetterter Gesang.

Andere wollen den Gesang vorne stehen sehen - und sehen die Musik als "Zugabe" und möchten von den Drums nicht von der Couch gehoben werden.

Eigentlich sollte man die Proxium V 2 in W 2 umbenennen für Werner2 und die Proxim Pre noch mit einem H für Hansi ergänzenSmile

Natürlich ist das meßtechnisch und objektiv alles kolossaler Blödsinn, was ich hier schreibe, denn es trifft nur in meinem Raum und an der Thivan Eros 9 X so zu und die Karten werden wohl woanders neu gemischt. Das sind nunmal Hörner, die eh schon nach vorne raus abbilden und deutlich mehr Präsenz mitbringen, als meine langjahrigen Vorgänger Eros 9.

Gestern war ich dann komplett aus dem Testermodus raus und genoß einfach nur noch.

Letztlich hatte ich die V 2 noch nie pur und alleine auf dem Kellerboden aufgestellt gehört und kannte sie nur auf Via Blue Basen.
Die Bühne ist nicht mehr so breit, der Bass dafür energetischer als vorher.

Untenrum gibts da jetzt deutliche Ähnlichkeit zum ASR Emitter - obenrum kommt einiges an Details mehr raus, wie über den betagten 2018er Emmi.

Mal schauen, was geschieht, wenn ich die Proxium Pre "viablueisiere".

Bin nur in dieser Woche recht busy und hoffe, ich krieg das morgen gebacken.

Ansonsten geht die Proxium Pre auf Rundreise im Hause an die anderen Anlagen.

Ich könnte mir sogar vorstellen, daß  eine Ansteuerung meines letzten Emitter mit dieser Vorstufe da mehr Lebendigkeit in den gutmütigen sanften Riesen reinbringt.

Auch bin ich gespannt, was passiert, wenn meine andere V 2 an der Max 1 mit der Pre verbandelt wird.

Und wie reagieren die Little Big auf die Proxium Pre?
Der Tag kann gar nicht so viele Stunden haben, wie ich bräuchteSmile

Und ausgerechnet jetzt ist das Wetter so geil, daß mein Hintern ständig Bock aufs Pedelec hat und am Rhein radeln will, wo ich mir wohl wieder die Glatze verbrenne......

Smile
Meine Katze ist schon 11 Jahre alt und arbeitet noch analog als Verbrenner auf Milchbasis! Big Grin
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#80
Eigentlich brauchst Du ja auch keinen Pre, 

- Du hast mit Deinem ADI die Verstärkung, die Du brauchst

- Du kannst mit dem ADI Deine rein digitalen Quellen, CD Laufwerk, Streaming Laptop, Festplatten usw. alle direkt anschließen und anwählen.

Ein analoger Pre macht Dir nur noch mehr Verstärkung, die am ADI wohl wieder reduziert werden muß. Im Glücksfall fügt er die Verzerrungen hinzu, die einem gefallen.
Wenn der Verstärkerteil an sich völlig neutral ist, kommen dennoch Verluste über mehr Buchsen, Signalwege, Schaltrelais, einen weiteren Lautstärkeregler hinzu, die man nach meiner Erfahrung immer hört.

Eigentlich müßtest Du um Eugens Pre richtig zu beurteilen ihn mit analogen Quellen füttern, die Du garnicht mehr hast und jede Verdopplung von Bauteilen vermeiden. 

Oder?

Ansonsten Hut ab: Ehrlich währt am längsten, tut aber manchmal weh!

Smile
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