Freut mich zu lesen, dass der erste Teil auf Interesse gestoßen ist! Wie angekündigt, geht es weiter mit der Verbindung zwischen CD Transport und DAC. Zuvor gehe ich aber auf die Relevanz des rückseitigen USB-C Eingangs ein.
USB-C Eingang/DDC/Re-Clocking
Wie an anderer Stelle in diesem Thread bereits erwähnt – und wie in der
Bedienungsanleitung beschrieben –, verfügt der 200T zwar über ein eingebautes 100V-240V Netzteil
suitable for home use, aber zudem über zwei weitere Möglichkeiten zum Anschluss externer Netzteile: (a) einen DC Input, der angeblich Bequemlichkeit für Autofahrer (?), und (b) einen USB-C Anschluss, der die Verwendung wiederaufladbarer Akkus für die bequeme Benutzung im Freien (??) bieten soll
. Darauf gehe ich nicht weiter ein.
Viel interessanter scheint mir die Verwendung des USB-C Eingangs für externe digitale Quellen aller Art, Streamer, Computer Audio, Handhelds etc. Der 200T fungiert nämlich als Digital-to-Digital Converter (
DDC), indem er über USB erhaltene digitale Signale in die vier verfügbaren Ausgabe-Standards konvertiert (zur Verfügung stehen v.l.n.r. I2S, AES/EBU, Coaxial und Optical), vgl. den Abschnitt
SMLS PL200T - USB-DDC Measurements im bereits zitierten ASR Review sowie folgendes
Video.
Der Riesen-Vorteil liegt darin, dass alle digitalen Signale, die dem 200T durch den USB-C Eingang zugeführt werden, vor der digitalen Ausgabe einem Re-Clocking auf die im vorigen Beitrag beschriebene hohe Präzision unterzogen werden, da die interne Clock des 200T alle vier digitalen Ausgänge kontrolliert.
Wohlgemerkt, das hat nichts mit dem "Word-Clock" Eingang zu tun, der den Anschluss einer externen (Master-) Clock erlaubt. Auch erfolgt kein Over- oder Upsampling, nur ein Re-Clocking.
In der Praxis heißt das, der USB-C Eingang und der damit einhergehende DDC erlauben es, beliebige externe digitale Signale auf einen höherwertigen, sehr präzise ge-clockten Standard anzuheben, und diesen dann an den DAC der Wahl weiterzuleiten.
Die Möglichkeiten sind unbegrenzt: ich z.B. habe meinen Computer an den USB-C Eingang angeschlossen. Das erlaubt mir, gestreamte Musik an den 200T zum Re-Clocken und erst von dort an den DAC weiterzuleiten. Das lohnt sich für mich, da ich den Ultra HD Aufpreis bei amazon music zahle und die gestreamte Musik so verlustarm wie möglich aufbereitet und gewandelt wird.
Aber auch profanere Quellen, wie etwa die Tonspur von Videos oder Filmen gehen denselben Weg, genau wie Internetradio (ich höre am liebsten
FIP) oder die Sprache bei Teams-Meetings. Selbst mein iPhone oder iPad habe ich schon über Kabel mit dem 200T verbunden, und was soll ich sagen, mein iPhone hat noch nie besser geklungen!
Am anderen Ende des Spektrums habe ich eine große externe Festplatte, auf der sich ein paar Hi Res Files befinden, bis hin zu DSD512. Die Festplatte hängt am Computer (ich benutze einen einfachen digitalen Player, um die Files aufzurufen), vom Computer geht's in den 200T, und dann erst zum DAC.
So benutze ich den Computer, um verschiedenste digitale Quellen zu bündeln und wahlweise dem 200T zum Re-Clocking zu schicken. Natürlich fällt der Unterschied bei Teams-Meetings nicht ins Gewicht, das weiß ich selbst. Aber bei UHD-Musik von amazon music oder den Hi Res Files von der Festplatte gehe ich lieber auf Nummer Sicher, zumal es einfach und praktisch ist, alles zu bündeln.
Übrigens soll man sich laut Bedienungsanleitung für das Abspielen von DSD files vom Windows-Computer folgenden
Treiber installieren.
I2S-Verbindung zwischen 200T und DAC
Wie am Ende des vorigen Beitrags schon angedeutet, hier ein paar Worte zur Verbindung zwischen 200T und DAC.
Ich benutze dafür die
Inter-IC Sound (I2S)-Verbindung, in erster Linie aus technischen, in zweiter Linie auch aus theoretischen Gründen.
Die technischen Gründe bestehen einfach darin, dass nur der I2S-Ausgang imstande ist, PCM bis 768 kHz (Windows 11 kann max. 384 kHz) und DSD bis 22.5792MHz auszugeben. Bei allen anderen Ausgängen ist bei PCM 24bit/192 kHz Schluss, und MQA interessiert mich nicht. Wie schon gesagt, verfüge ich über ein paar Hi Res files, und das ist der einzige Weg, diese zum DAC zu leiten, wenn die Daten erst mal im 200T gelandet sind.
Von der theoretischen Seite hat I2S u.a. den Vorteil, dass die Informationen für Clock (SCK), Word Select (WS) und Serial Data (SD) getrennt voneinander vom Sender an den Empfänger geleitet werden. so dass der Empfänger sich die Clock-Daten nicht aus einem einheitlichen Datenfluss herausfiltern muss.
Der größte theoretische Vorteil von I2S liegt jedoch darin, dass der Sender den DAC des Empfängers völlig kontrolliert, d.h. der DAC-Chip wird gezwungen, die empfangene Clock zu übernehmen; es findet kein Re-Clocking statt. Jitter ist null Problem, das Timing bleibt erhalten, die Daten kommen einander nicht in die Quere. Das hat damit zu tun, dass I2S ursprünglich als Protokoll für die Kommunikation zweier ICs entwickelt wurde, die auf derselben Platine sitzen.
Das bedeutet aber auch, dass I2S nie zur externen Verbindung zweier separater Hifi-Geräte gedacht war. Daher griff man zu der "Notlösung", eine solche externe Verbindung mittels HDMI-Kabeln herzustellen. Nicht etwa, weil man dafür das HDMI-Protokoll benutzt, das ist nicht der Fall. Man benutzt diese Kabel nur deswegen, weil sie so viele unabhängige Leiter zur Verfügung stellen, mit denen die ganzen Daten voneinander getrennt gehalten werden können.
Der große Nachteil dieser "Notlösung" liegt darin, dass es kein standardisiertes I2S-Protokoll für die Belegung der HDMI-Stecker gibt. So gibt es häufig Abweichungen zwischen der Belegung verschiedener Hersteller, und man kann große Schwierigkeiten bekommen wenn man den Sender des Herstellers A mit dem Empfänger des Herstellers B via I2S verbinden will.
Für mich stellt das kein Problem dar, weil mein DAC auch von SMSL kommt (
DO400). Für mich war das plug-n-play.
Die beschriebenen theoretischen Gründe stellen natürlich eher eine Form von Selbstbefriedigung dar, denn auch mit AES/EBU u.ä. kriegt man sehr gute digitale Verbindungen hin, zumal die modernen DAC-Chips sehr gut darin sind, Jitter und andere Problemchen zu eliminieren (in meinem Fall der
ES9039MSPRO). Aber die praktischen Gründe stechen. Ohne I2S könnte ich meine Hi Res Files nicht wie beschrieben abspielen.
Letztlich noch der Hinweis, dass man für die Verbindung keinerlei "audiophile" HDMI-Kabel benötigt. Die Kabel müssen aber von guter Qualität und sollten so kurz wie möglich sein. Ich benutze ein extra-dünnes 8k HDMI-Kabel mit 30 oder 50 cm Länge und Winkelsteckern, das ich für €10-15 von amazon bezogen habe.
Hoffe, das war interessant. Später mehr.